Wegweiser durch den Versorgungsdschungel
Start
Vorwort
Liebe Leser:innen, wenn Sie diese Broschüre lesen, stehen Sie am Anfang einer Reise: Sie machen sich auf den Weg, sich im deutschen Gesundheitssystem besser zurechtzufinden. Das Gesundheitssystem kommt Ihnen vielleicht vor wie ein Dschungel. Wir navigieren Sie Schritt für Schritt durch das Dickicht. Auf den nächsten Seiten beantworten wir grundlegende Fragen: Wie funktioniert die Krankenversicherung? Wer behandelt, hilft und unterstützt? Was kann ich tun, wenn ich schwer oder chronisch krank werde? Welche Leistungen kann ich beantragen? Wissen schafft Sicherheit. So können Sie informierte Entscheidungen treffen, wenn es darauf ankommt. Wir wünschen Ihnen Durchblick und Zuversicht für Ihren Weg. Mit herzlichen Grüßen
Verein Leberkrankes Kind e.V. (leberkrankes-kind.de) Konzeption und Produktion: Kautz5 gUG Mit freundlicher Unterstützung von Mirum Deutschland GmbH
Wo soll es hingehen?
EXperten an ihrer seite
der informierte patient
Wie funktioniert unser gesundheitssystem
medikamenten-versorgung
teil einer starken gemeinschaft
Eigenverant-wortung
diagnose - und jetzt?
partner im gesundheits-system
schlusswort
zurechtfinden im neuen Alltag
Impressum
Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?
zu den patientenrechten zählen:
- Recht auf Information und Aufklärung
- Recht auf Selbstbestimmung (medizinische Maßnahmen nur mit Einwilligung)
Vielleicht haben Sie und Ihre Familie Glück: Sie sind gesund. Wenn Sie sich krank fühlen, gehen Sie zum Hausarzt. Sie schieben die Krankenkassenkarte über den Tresen, bekommen Medikamente oder Therapien und fühlen sich gut beraten und behandelt.Doch manchmal gibt es diesen einen Arztbesuch, der alles verändert. Bei dem es nicht mehr heißt „Das ist in ein paar Tagen überstanden.“ Die Diagnose einer chronischen, vielleicht auch schweren Krankheit ist ein Schock. Sie stellt den Alltag der Betroffenen und ihrer Familien auf den Kopf. Und oft kommt dann zum ersten Mal die Frage auf: Wie funktioniert unser Gesundheitssystem eigentlich?
Weitere Infos finden Sie hier
Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?
Das deutsche Gesundheitssystem hat einige besondere Merkmale:
Dualität
Solidarität
Versicherungspflicht
Sachleistungsprinzip
Selbstverwaltung
Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?
Weitere Informationen finden Sie hier:
Broschüre „Das deutsche Gesundheitssystem“ des Bundesgesundheitsministeriums
(2., aktualisierte Auflage, April 2022, abgerufen April 2025)
Teil einer starken Gemeinschaft
Regelmäßige Check-ups sind wichtig, um Krankheiten frühzeitig zu erkennen oder zu verhindern. Diese Leistungen werden in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Fragen Sie in Ihrer Arztpraxis oder bei Ihrer Krankenkasse nach.
Solidarität ist das Fundament des deutschen Gesundheitssystems. Alle gesetzlich Versicherten zahlen in die Krankenversicherung ein. Wie viel sie einzahlen, hängt vom Einkommen ab. Die Beiträge decken die Kosten für die Versorgung aller Mitglieder. Welche Leistungen das sind, ist im Sozialgesetzbuch (SGB V) festgelegt. Dieser Leistungskatalog wird regelmäßig überprüft. Dafür sind Institutionen wie der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zuständig.
Teil einer starken Gemeinschaft
Wer macht was?
Die Krankenkassen tragen die Kosten für die medizinische Versorgung. In Deutschland gibt es fast 100 gesetzliche Krankenkassen. Deren Beiträge variieren leicht. Sie unterscheiden sich vor allem in Zusatzleistungen wie Zuschüssen zu alternativen Heilmethoden, Präventionskursen oder Zahnreinigungen. Jede Kasse erhebt einen eigenen Zusatzbeitrag.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bestimmt Richtlinien für die gesundheitliche Versorgung und achtet dabei auf Qualität und Wirtschaftlichkeit. Er entscheidet, welche Leistungen die gesetzliche Krankenversicherung zahlt. Maßgabe: Alle gesetzlich versicherten Patienten sollen gut versorgt werden und vom medizinischen Fortschritt profitieren.
Niedergelassene Haus- und Fachärzte, Krankenhäuser und Therapeuten behandeln, beraten und betreuen Patienten und informieren über Rehabilitation.
Versorgungs-standards
Versorgung
Kostenträger
Unter https://www.gesetzlichekrankenkassen.de/ sind alle GKV aufgelistet. Hier können Sie sich über Beiträge und Leistungen informieren
Teil einer starken Gemeinschaft
Komplexe und chronische Krankheiten
Über die Liste der ASV Servicestelle finden Sie Behandlungsangebote.
Bitte beachten Sie aber, das noch nicht alle Spezialisten darunter zu finden sind.
Für Menschen mit komplexen und schwer zu behandelnden Krankheiten arbeiten Ärzte und Therapeuten über Fachgrenzen hinaus zusammen. Um hierfür einen gesetzlichen Rahmen zu bieten, wurde die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) eingeführt. Spezialisten verschiedener Fachrichtungen koordinieren als Team die Diagnostik und Behandlung, z.B. bei Krebserkrankungen, Rheuma oder seltenen Erkrankungen. Krankenhäuser, niedergelassene Fachärzte und Medizinische Versorgungszentren können eine ASV anbieten.
https://www.asv-servicestelle.de/asv-verzeichnis
Teil einer starken Gemeinschaft
Komplexe und chronische Krankheiten
Hier finden Sie eine Liste der Disease Management Programme:
Für Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten gibt es Disease-Management-Programme (DMP). Betroffene können sich bei ihrer Krankenkasse in ein solches Programm einschreiben lassen. Dadurch erhalten sie eine Behandlung auf dem aktuellen medizinischen Forschungsstand. Dieses koordinierte Vorgehen soll Komplikationen und Krankenhausaufenthalten vorbeugen und Folgeschäden vermeiden.
https://www.g-ba.de/themen/disease-management-programme/
Partner im Gesundheitssystem
Klinikambulanzen
Niedergelassene Ärzte
Medizinische Versorgungszentren (MVZ)
Notdienst
Sozialpädiatrische Zentren (SPZ)
Krankenhäuser
Partner im Gesundheitssystem
Ambulant vs. stationär
Leistungen, die medizinisch notwendig, zweckmäßig und wirtschaftlich sind, werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Ausnahmen sind z.B. kosmetische Operationen, bestimmte Vorsorge-untersuchungen oder Impfungen und Beratungen zu Fernreisen. Welche Leistungen im Einzelfall von Ihrer Krankenversicherung erfragen Sie am besten direkt dort.
„Ambulant“ ist eine Behandlung in einer Praxis oder einer Klinikambulanz, wenn man danach wieder nach Hause gehen kann. Eine stationäre Aufnahme ist notwendig, wenn intensive Betreuung, Überwachung oder umfangreiche Eingriffe erforderlich sind. Die Kosten für beide Formen übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Bei stationären Aufenthalten sind bestimmten Eigenanteile fällig, z. B. die gesetzliche Zuzahlung im Krankenhaus (10 Euro pro Tag für maximal 28 Tage pro Jahr).
Partner im Gesundheitssystem
Kinderkrankengeld und Unterstützung für Eltern
Weitere Infos auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums:
Kinderkrankengeld bekommen erwerbstätige Eltern, die zu Hause bleiben müssen, um ein krankes Kind zu betreuen. Es beträgt in der Regel 90 Prozent des Nettoverdienstes für bis zu 15 Tage pro Kind und Jahr, 30 Tage bei Alleinerziehenden. Informieren Sie sich über die Voraussetzungen bei Ihrer Krankenkasse.
Eltern haben Anspruch auf Kinderkrankengeld, wenn sie ihr Kind (unter 12 Jahre) aus medizinischen Gründen während eines Krankenhausaufenthalts begleiten. Vor der Behandlung sollte geklärt werden, ob und in welchem Umfang die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Zuständig ist die Krankenkasse, bei der das Kind versichert ist.
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/kindergesundheit/faq-kinderkrankengeld.html
Experten an Ihrer Seite
Auf Ihrem Weg durch unser Gesundheitssystem begegnen Ihnen auch nicht-ärztliche Experten. Sie helfen über die medizinische Versorgung hinaus, begleiten eine Behandlung und tragen zu einer schnelleren und nachhaltigeren Genesung bei. Wichtige Partner in der Versorgung von Patienten sind u.a:
Pflegekräfte
Ernährungsberater
Logopäden
Physiotherapeuten
Ergotherapeuten
Heilpraktiker
Apotheken
Sanitätshäuser
Psychosoziale Unterstützer
Medikamentenversorgung, Zuzahlung und Zuzahlungsbefreiung
Ein Generikum ist ein Medikament, das denselben Wirkstoff wie ein Originalpräparat enthält, aber meist günstiger ist
Ihr Arzt entscheidet welches Medikament Sie benötigen und ob ein Markenmedikament oder ein Generikum verschrieben wird. Apotheken stellen die Versorgung mit Medikamenten sicher. Ist ein Medikament einmal nicht vorrätig, kann die Apotheke es in der Regel innerhalb weniger Stunden bestellen. Einige Apotheken bieten einen Lieferservice und bringen das Medikament zu Ihnen nach Hause.
Medikamentenversorgung, Zuzahlung und Zuzahlungsbefreiung
Weitere Infos zu Zuzahlung und Erstattung finden Sie beim Bundesgesundheitsministerium:
Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente. Allerdings ist eine gesetzliche Zuzahlung fällig – meist zwischen 5 und 10 Euro pro Medikament. Es gibt jedoch eine Belastungsgrenze: Diese liegt pro Jahr bei zwei Prozent des Bruttoeinkommens, für chronisch Kranke bei einem Prozent. Auch Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte, häusliche Krankenpflege oder Heilmittel werden dabei berücksichtigt. Wer die Belastungsgrenze erreicht, kann bei der Krankenkasse eine Zuzahlungsbefreiung beantragen. Für Kinder unter 18 Jahren sind Medikamente grundsätzlich zuzahlungsfrei.
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/zuzahlung-und-erstattung-arzneimittel.html
Medikamentenversorgung, Zuzahlung und Zuzahlungsbefreiung
OFF-label-use
bedeutet so viel wie „anders als auf dem Etikett“ und bezeichnet den Einsatz eines Medikaments für eine Krankheit, für die es nicht offiziell zugelassen ist. Dies geschieht oft in der Behandlung von Krebspatienten.
Für manche Behandlungen oder Leistungen müssen Sie oder Ihr Arzt vorab einen Antrag bei Ihrer Krankenkasse stellen. Diese prüft dann, ob sie die Kosten übernimmt. Dazu gehören z. B. Rehabilitationen, langfristige Therapien, Leistungen aus der Pflegeversicherung (Pflegestufen oder Hilfsmittel wie Pflegebetten), Kuren oder Medikamente, die „off-label“ eingesetzt werden. Privatversicherte sollten vorab mit ihrer Versicherung klären, ob und in welchem Umfang die Kosten übernommen werden.
Diagnose – und jetzt?Umgang mit der Gewissheit
Wenn bei Ihnen oder einem Ihnen nahestehenden Menschen eine schwere oder chronische Krankheit festgestellt wird, ändert sich vieles in Ihrem Leben. Besonders wenn Kinder erkranken, steht der Familienalltag plötzlich Kopf und Eltern sind besonders gefordert.
Mit einer eindeutigen Diagnose haben Sie zwar Gewissheit. Doch stehen Sie nun an einem Punkt, an dem Ihnen klar wird: Das Leben wird ab jetzt anders sein als zuvor. Die Aussicht auf eine komplexe und langwierige Behandlung gleicht einer Fahrt ins Ungewisse.
Verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick. Sammeln Sie alle Informationen über die geplante Behandlung und deren Ablauf. Ärzte und medizinisches Fachpersonal sind hier die wichtigsten Ansprechpersonen. Sie klären über Behandlungsoptionen, Risiken und den zu erwartenden Verlauf auf. Eine offene Kommunikation mit dem behandelnden Team ist entscheidend, um Unsicherheiten abzubauen und informierte Entscheidungen zu treffen. Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen, wenn Sie etwas nicht sofort verstehen.
Diagnose – und jetzt?Umgang mit der Gewissheit
Werden Sie Experte für Ihre Krankheit
praktischer tipp
Nehmen Sie immer ein Notizbuch mit. Schreiben Sie sich Fragen auf oder notieren Sie sich Eindrücke und Erlebnisse wie in einem Tagebuch. Das wird Ihnen helfen, mit der Krankheit umzugehen und später zu reflektieren.
Nutzen Sie Online-Informationen, aber gehen Sie damit bewusst um. Wichtig: Im Internet gibt es viele allgemeine Informationen, die nicht immer direkt auf Ihre individuelle Situation zutreffen. Dies kann schnell zu Verunsicherung führen. Greifen Sie auf seriöse Quellen zurück und finden Sie Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen. Diese bieten Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, und helfen dabei, mit der Situation umzugehen.
Diagnose – und jetzt?Umgang mit der Gewissheit
Vernetzen Sie sich
Adressen von Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland finden Sie hier:
Es gibt Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen für praktisch jedes Krankheitsbild. Von bekannten Krankheiten wie Krebs oder Diabetes bis hin zu extrem seltenen Erkrankungen, von denen oft Kinder betroffen sind. In diesen Vereinen arbeiten engagierte Teams, oft ehrenamtlich. Meist sind sie selbst Betroffene oder Angehörige. Sie kümmern sich um Infomaterial, organisieren Gruppentreffen und Veranstaltungen, teilen ihre Erfahrung oder hören auch mal nur zu. Patientenvertreter sind eine wichtige Säule in der Versorgung. Sie ergänzen das medizinische Fachwissen mit ihrer menschlichen Perspektive und Praxiserfahrung.
https://www.nakos.de/adressen/gruen/
Zurechtfinden im neuen Alltag
Nach einer Diagnose steht die schnelle Behandlung im Vordergrund. Das Wichtigste ist, dass diese erfolgreich ist und Patienten eine Perspektive bekommen. Doch selbst dann enden die Herausforderungen für Betroffene nicht. Nachsorge, Rehabilitation und Wiedereingliederung in den Alltag sind wichtig. Sie bringen Lebensqualität zurück und helfen, mit der Krankheit und ihren Auswirkungen zu leben.
Langfristige Unterstützung und Nachteilsausgleich
Grad der Behinderung (GdB)
Rehabilitation und Wiedereingliederung
Info
Info
Info
Zurechtfinden im neuen Alltag
Eltern, bei deren Kind ein Pflegegrad festgestellt wurde, haben automatisch Anspruch auf einen Entlastungsbetrag. Dienst kann für verschiedene Unterstützungsleistungen genutzt werden. Erkundigen Sie sich hierzu bei Ihrer Krankenkasse!
Wenn Sie Hilfe im Alltag benötigen, können Sie einen Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen. Voraussetzung: Die krankheitsbedingten Beeinträchtigungen bestehen mindestens sechs Monate oder dauerhaft. Der Pflegegrad legt fest, in welcher Höhe eine Person Leistungen von der Pflegeversicherung erhält.Wichtig: Der Anspruch gilt erst ab Antragstellung. Ein Gutachter entscheidet über Art und Umfang der Unterstützung. Bei Pflegebedürftigkeit sind zudem regelmäßige Beratungseinsätze nötig.
Die Pflegekasse ist der Krankenkasse angegliedert. Es reicht ein formloser Antrag. Im Internet finden Sie auch Musterbriefe, z.B. bei der Verbraucherzentrale.
Der informierte Patient
Als aktiver und informierter Patient übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Gesundheit und die Ihrer Familie. Sie wissen viel über Ihre Erkrankung, über Unterstützungsmöglichkeiten und haben sich ein Netzwerk aufgebaut, in dem Sie sich austauschen. Das ist auch eine seelische Stütze, denn Sie wissen: Sie sind nicht allein. Vielleicht haben Sie sogar Lust, sich ein einer Selbsthilfegruppe ehrenamtlich zu engagieren und so anderen zu helfen, die noch am Anfang ihrer Reise stehen.
Eigenverantwortung übernehmen
Stärke und Zuversicht trotz Krankheit
Mit einer Krankheit erwachsen werden
Info
Info
Info
Der informierte Patient
Informieren Sie sich über die elektronische Patientenakte (ePA), die ab Anfang 2025 für alle gesetzlich Versicherten eingerichtet wird. Sie ermöglicht es, wichtige Gesundheitsdaten zentral zu speichern erleichtert den Austausch zwischen behandelnden Ärzten. Auch Sie haben einen besseren Überblick über Ihre Krankengeschichte.
https://www.gematik.de/versicherte/epa-app
Eigenverantwortung
Eigenverantwortung umfasst verschiedene Aspekte. Sie stärkt die Patientenautonomie ist, aber auch ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Behandlung. Eigenverantwortung greift immer da, wo die Hauptverantwortung des Mediziners und der Medizin aufhört. Es gibt aber auch Bereiche, an denen es keine klaren Schnittstellen gibt. Die Aspekte der Eigenverantwortung umfassen:
Aktive Beteiligung an der Behandlung
Finanzielle Verantwortung
Prävention und Lebensstil
Info
Info
Info
Eigenverantwortung
Die Eigenverantwortung des Patienten ist ein wichtiger Faktor im modernen Gesundheitssystem. Sie stärkt die Patientenautonomie und fördert einen gesundheitsbewussten Lebensstil. Sie muss jedoch in einem ausgewogenen Verhältnis zum Solidaritätsprinzip und den gesetzlich verankerten Rechten und Pflichten stehen, um alle Patienten – unabhängig von ihren individuellen Möglichkeiten – angemessen zu versorgen.
Schlusswort und Impressum
Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen und hoffen, dass dieser Wegweiser eine hilfreiche Unterstützung darstellt.
Diese Infobroschüre ist ein Projekt des Vereins Leberkrankes Kind e.V.. Konzeption und Produktion: Kautz5 gUG. Das Projekt wird finanziell unterstützt von Mirum Deutschland GmbH. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, die Versorgungssituation von Menschen mit seltenen Erkrankungen zu verbessern. Hinweis: Eine geschlechtergerechte Sprache ist uns im Sinne der Gleichberechtigung und Inklusion sehr wichtig. Daher bevorzugen wir gendergerechte Formulierungen. An einigen Stellen verzichten wir aus Gründen der Lesbarkeit oder Verständlichkeit auf Doppelnennungen oder Sonderformen und nutzen nur die männliche Form. Selbstverständlich sind damit alle Geschlechter gemeint. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Stand der Informationen: Februar 2025 Stand der Links: April 2025 Hintergrundbild von freepik
Stärke und Zuversicht trotz Krankheit
Ihre Diagnose hat Ihr Leben einmal umgekrempelt. Vielleicht haben Sie neben dem Schock und den Ängsten aber auch neue Perspektiven gewonnen oder sich ein starkes Netzwerk von Unterstützern aufgebaut. Nutzen Sie das Wissen, um Ihre Gesundheit aktiv mitzugestalten. Gewinnen Sie Stabilität und Zuversicht zurück. Bleiben Sie informiert. So sind Sie als Patient ein mündiger Akteur im Gesundheitssystem.
Aktive Beteiligung an der Behandlung
Patienten haben auf der einen Seite das Recht auf umfassende Information und Aufklärung durch den Mediziner sowie auf Einsicht in die eigenen Behandlungsunterlagen. Sie sind aber auch verpflichtet alle Informationen z.B. zu Vorerkrankungen, familiärer Disposition, Einnahme von Medikamenten (verschreibungspflichtige und nicht-verschreibungspflichtige) gegenüber dem behandelnden Arzt mitzuteilen.
Grad der Behinderung (GdB)
Patienten mit Beeinträchtigungen können Anspruch auf einen Grad der Behinderung (GdB) haben und einen Schwerbehindertenausweis erhalten. Damit sind verschiedene Nachteilsausgleiche verbunden, z. B. Steuererleichterungen, Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr oder zusätzliche Urlaubstage. Je nach Art und Schwere der Beeinträchtigung können zudem besondere Merkzeichen im Ausweis eingetragen werden, die weitere Vorteile wie einen Parkausweis oder eine Begleitperson im Nahverkehr ermöglichen.
Antragsformulare gibt es bei den Versorgungsämtern.
Die Formulare unterscheiden sich leicht von Bundesland zu Bundesland. Bei einfachteilhaben.de können Sie das für Sie passende Formular heraussuchen.
Eigenverantwortung übernehmen
Eigenverantwortung bedeutet, sich aktiv mit der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen. Dazu gehört, sich über Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, medizinische Entscheidungen bewusst mitzutragen und Arzttermine gut vorzubereiten. Auch die persönliche Lebensweise beeinflusst Krankheitsverläufe und Heilungschancen positiv und kann das Risiko, dass eine Krankheit erneut auftritt, verringern.
- Achten Sie auf eine gesunde Ernährung, um den Körper und das Immunsystem zu stärken.
- Bewegung, angepasst an die individuellen Möglichkeiten, verbessert die körperliche und mentale Gesundheit.
- Regelmäßige Auszeiten und Entspannung helfen, Stress zu reduzieren und die Balance zu wahren.
Langfristige Unterstützung und Nachteilsausgleich
Menschen mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen haben einen Teilhabeanspruch: das Recht auf Unterstützung, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen und an der Gesellschaft teilzuhaben. Informationen dazu bieten unabhängige Beratungsstellen wie die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB):
https://www.teilhabeberatung.de/
Mit einer Krankheit erwachsen werden
Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen werden bis zu ihrer Volljährigkeit von Kinderärzten betreut. Mit 18 Jahren steht ihnen der Übergang in die Erwachsenenmedizin bevor. Dieser Prozess wird Transition genannt. In dieser Phase lernen sie, mehr Verantwortung zu übernehmen. Eine gut geplante Transition ist wichtig, damit medizinische Versorgung, Therapien und wichtige Informationen nahtlos an diene neuen Behandler übergehen.
Ohne diese Vorbereitung könnten Versorgungslücken entstehen, was gerade bei chronischen Erkrankungen zu Komplikationen führen kann. Immer mehr Kinderkliniken bieten spezielle Programme oder Seminare an, um diesen Übergang zu erleichtern.
Prävention und Lebensstil
Die Eigenverantwortung beginnt mit der aktiven Gestaltung des eigenen Lebensstils. Dazu gehören z.B. eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Achtsamkeit gegenüber der eigenen Gesundheit, indem zum Beispiel Risikofaktoren vermieden werden, die zu einer Gesundheitsbeeinträchtigung führen können.
Finanzielle Verantwortung
Im deutschen Gesundheitssystem sind für bestimmte medizinische Maßnahmen eigene Zuzahlungen oder Kostenbeteiligungen vorgeschrieben. Zudem sollten Patienten bewusst mit Leistungen des Gesundheitssystems umgehen. Der Patient sollte darüber hinaus informiert sein, was ein behandelnder Arzt nicht kann oder der Arzt nicht zuständig ist. So z.B. die Veranlassung von Krankenfahrten, Taxischeinen oder die Vermittlung zum sozialen Dienst eines Krankenhauses.
Rehabilitation und Wiedereingliederung
Erkrankungen und die folgenden Therapien oder Operationen haben nicht nur körperliche, sondern auch psychische oder soziale Folgen. Auch damit gilt es umzugehen. Rehabilitationsmaßnahmen helfen, diese Nachwirkungen einer Erkrankung zu bewältigen. Rehas können stationär oder ambulant erfolgen. Auch die Nachsorge ist wichtig.
Nehmen Sie Kontrolluntersuchungen wahr und informieren Sie sich über Therapieangebote. Für die Rückkehr ins Arbeitsleben gibt es Programme wie das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM), das auf die Bedürfnisse von Arbeitnehmern nach längerer Krankheit eingeht.
Wegweiser durch den Versorgungsdschungel
Achim
Created on February 13, 2025
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Wegweiser durch den Versorgungsdschungel
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Vorwort
Liebe Leser:innen, wenn Sie diese Broschüre lesen, stehen Sie am Anfang einer Reise: Sie machen sich auf den Weg, sich im deutschen Gesundheitssystem besser zurechtzufinden. Das Gesundheitssystem kommt Ihnen vielleicht vor wie ein Dschungel. Wir navigieren Sie Schritt für Schritt durch das Dickicht. Auf den nächsten Seiten beantworten wir grundlegende Fragen: Wie funktioniert die Krankenversicherung? Wer behandelt, hilft und unterstützt? Was kann ich tun, wenn ich schwer oder chronisch krank werde? Welche Leistungen kann ich beantragen? Wissen schafft Sicherheit. So können Sie informierte Entscheidungen treffen, wenn es darauf ankommt. Wir wünschen Ihnen Durchblick und Zuversicht für Ihren Weg. Mit herzlichen Grüßen
Verein Leberkrankes Kind e.V. (leberkrankes-kind.de) Konzeption und Produktion: Kautz5 gUG Mit freundlicher Unterstützung von Mirum Deutschland GmbH
Wo soll es hingehen?
EXperten an ihrer seite
der informierte patient
Wie funktioniert unser gesundheitssystem
medikamenten-versorgung
teil einer starken gemeinschaft
Eigenverant-wortung
diagnose - und jetzt?
partner im gesundheits-system
schlusswort
zurechtfinden im neuen Alltag
Impressum
Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?
zu den patientenrechten zählen:
Vielleicht haben Sie und Ihre Familie Glück: Sie sind gesund. Wenn Sie sich krank fühlen, gehen Sie zum Hausarzt. Sie schieben die Krankenkassenkarte über den Tresen, bekommen Medikamente oder Therapien und fühlen sich gut beraten und behandelt.Doch manchmal gibt es diesen einen Arztbesuch, der alles verändert. Bei dem es nicht mehr heißt „Das ist in ein paar Tagen überstanden.“ Die Diagnose einer chronischen, vielleicht auch schweren Krankheit ist ein Schock. Sie stellt den Alltag der Betroffenen und ihrer Familien auf den Kopf. Und oft kommt dann zum ersten Mal die Frage auf: Wie funktioniert unser Gesundheitssystem eigentlich?
Weitere Infos finden Sie hier
Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?
Das deutsche Gesundheitssystem hat einige besondere Merkmale:
Dualität
Solidarität
Versicherungspflicht
Sachleistungsprinzip
Selbstverwaltung
Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?
Weitere Informationen finden Sie hier:
Broschüre „Das deutsche Gesundheitssystem“ des Bundesgesundheitsministeriums
(2., aktualisierte Auflage, April 2022, abgerufen April 2025)
Teil einer starken Gemeinschaft
Regelmäßige Check-ups sind wichtig, um Krankheiten frühzeitig zu erkennen oder zu verhindern. Diese Leistungen werden in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Fragen Sie in Ihrer Arztpraxis oder bei Ihrer Krankenkasse nach.
Solidarität ist das Fundament des deutschen Gesundheitssystems. Alle gesetzlich Versicherten zahlen in die Krankenversicherung ein. Wie viel sie einzahlen, hängt vom Einkommen ab. Die Beiträge decken die Kosten für die Versorgung aller Mitglieder. Welche Leistungen das sind, ist im Sozialgesetzbuch (SGB V) festgelegt. Dieser Leistungskatalog wird regelmäßig überprüft. Dafür sind Institutionen wie der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zuständig.
Teil einer starken Gemeinschaft
Wer macht was?
Die Krankenkassen tragen die Kosten für die medizinische Versorgung. In Deutschland gibt es fast 100 gesetzliche Krankenkassen. Deren Beiträge variieren leicht. Sie unterscheiden sich vor allem in Zusatzleistungen wie Zuschüssen zu alternativen Heilmethoden, Präventionskursen oder Zahnreinigungen. Jede Kasse erhebt einen eigenen Zusatzbeitrag.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bestimmt Richtlinien für die gesundheitliche Versorgung und achtet dabei auf Qualität und Wirtschaftlichkeit. Er entscheidet, welche Leistungen die gesetzliche Krankenversicherung zahlt. Maßgabe: Alle gesetzlich versicherten Patienten sollen gut versorgt werden und vom medizinischen Fortschritt profitieren.
Niedergelassene Haus- und Fachärzte, Krankenhäuser und Therapeuten behandeln, beraten und betreuen Patienten und informieren über Rehabilitation.
Versorgungs-standards
Versorgung
Kostenträger
Unter https://www.gesetzlichekrankenkassen.de/ sind alle GKV aufgelistet. Hier können Sie sich über Beiträge und Leistungen informieren
Teil einer starken Gemeinschaft
Komplexe und chronische Krankheiten
Über die Liste der ASV Servicestelle finden Sie Behandlungsangebote. Bitte beachten Sie aber, das noch nicht alle Spezialisten darunter zu finden sind.
Für Menschen mit komplexen und schwer zu behandelnden Krankheiten arbeiten Ärzte und Therapeuten über Fachgrenzen hinaus zusammen. Um hierfür einen gesetzlichen Rahmen zu bieten, wurde die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) eingeführt. Spezialisten verschiedener Fachrichtungen koordinieren als Team die Diagnostik und Behandlung, z.B. bei Krebserkrankungen, Rheuma oder seltenen Erkrankungen. Krankenhäuser, niedergelassene Fachärzte und Medizinische Versorgungszentren können eine ASV anbieten.
https://www.asv-servicestelle.de/asv-verzeichnis
Teil einer starken Gemeinschaft
Komplexe und chronische Krankheiten
Hier finden Sie eine Liste der Disease Management Programme:
Für Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten gibt es Disease-Management-Programme (DMP). Betroffene können sich bei ihrer Krankenkasse in ein solches Programm einschreiben lassen. Dadurch erhalten sie eine Behandlung auf dem aktuellen medizinischen Forschungsstand. Dieses koordinierte Vorgehen soll Komplikationen und Krankenhausaufenthalten vorbeugen und Folgeschäden vermeiden.
https://www.g-ba.de/themen/disease-management-programme/
Partner im Gesundheitssystem
Klinikambulanzen
Niedergelassene Ärzte
Medizinische Versorgungszentren (MVZ)
Notdienst
Sozialpädiatrische Zentren (SPZ)
Krankenhäuser
Partner im Gesundheitssystem
Ambulant vs. stationär
Leistungen, die medizinisch notwendig, zweckmäßig und wirtschaftlich sind, werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Ausnahmen sind z.B. kosmetische Operationen, bestimmte Vorsorge-untersuchungen oder Impfungen und Beratungen zu Fernreisen. Welche Leistungen im Einzelfall von Ihrer Krankenversicherung erfragen Sie am besten direkt dort.
„Ambulant“ ist eine Behandlung in einer Praxis oder einer Klinikambulanz, wenn man danach wieder nach Hause gehen kann. Eine stationäre Aufnahme ist notwendig, wenn intensive Betreuung, Überwachung oder umfangreiche Eingriffe erforderlich sind. Die Kosten für beide Formen übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Bei stationären Aufenthalten sind bestimmten Eigenanteile fällig, z. B. die gesetzliche Zuzahlung im Krankenhaus (10 Euro pro Tag für maximal 28 Tage pro Jahr).
Partner im Gesundheitssystem
Kinderkrankengeld und Unterstützung für Eltern
Weitere Infos auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums:
Kinderkrankengeld bekommen erwerbstätige Eltern, die zu Hause bleiben müssen, um ein krankes Kind zu betreuen. Es beträgt in der Regel 90 Prozent des Nettoverdienstes für bis zu 15 Tage pro Kind und Jahr, 30 Tage bei Alleinerziehenden. Informieren Sie sich über die Voraussetzungen bei Ihrer Krankenkasse. Eltern haben Anspruch auf Kinderkrankengeld, wenn sie ihr Kind (unter 12 Jahre) aus medizinischen Gründen während eines Krankenhausaufenthalts begleiten. Vor der Behandlung sollte geklärt werden, ob und in welchem Umfang die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Zuständig ist die Krankenkasse, bei der das Kind versichert ist.
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/kindergesundheit/faq-kinderkrankengeld.html
Experten an Ihrer Seite
Auf Ihrem Weg durch unser Gesundheitssystem begegnen Ihnen auch nicht-ärztliche Experten. Sie helfen über die medizinische Versorgung hinaus, begleiten eine Behandlung und tragen zu einer schnelleren und nachhaltigeren Genesung bei. Wichtige Partner in der Versorgung von Patienten sind u.a:
Pflegekräfte
Ernährungsberater
Logopäden
Physiotherapeuten
Ergotherapeuten
Heilpraktiker
Apotheken
Sanitätshäuser
Psychosoziale Unterstützer
Medikamentenversorgung, Zuzahlung und Zuzahlungsbefreiung
Ein Generikum ist ein Medikament, das denselben Wirkstoff wie ein Originalpräparat enthält, aber meist günstiger ist
Ihr Arzt entscheidet welches Medikament Sie benötigen und ob ein Markenmedikament oder ein Generikum verschrieben wird. Apotheken stellen die Versorgung mit Medikamenten sicher. Ist ein Medikament einmal nicht vorrätig, kann die Apotheke es in der Regel innerhalb weniger Stunden bestellen. Einige Apotheken bieten einen Lieferservice und bringen das Medikament zu Ihnen nach Hause.
Medikamentenversorgung, Zuzahlung und Zuzahlungsbefreiung
Weitere Infos zu Zuzahlung und Erstattung finden Sie beim Bundesgesundheitsministerium:
Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente. Allerdings ist eine gesetzliche Zuzahlung fällig – meist zwischen 5 und 10 Euro pro Medikament. Es gibt jedoch eine Belastungsgrenze: Diese liegt pro Jahr bei zwei Prozent des Bruttoeinkommens, für chronisch Kranke bei einem Prozent. Auch Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte, häusliche Krankenpflege oder Heilmittel werden dabei berücksichtigt. Wer die Belastungsgrenze erreicht, kann bei der Krankenkasse eine Zuzahlungsbefreiung beantragen. Für Kinder unter 18 Jahren sind Medikamente grundsätzlich zuzahlungsfrei.
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/zuzahlung-und-erstattung-arzneimittel.html
Medikamentenversorgung, Zuzahlung und Zuzahlungsbefreiung
OFF-label-use
bedeutet so viel wie „anders als auf dem Etikett“ und bezeichnet den Einsatz eines Medikaments für eine Krankheit, für die es nicht offiziell zugelassen ist. Dies geschieht oft in der Behandlung von Krebspatienten.
Für manche Behandlungen oder Leistungen müssen Sie oder Ihr Arzt vorab einen Antrag bei Ihrer Krankenkasse stellen. Diese prüft dann, ob sie die Kosten übernimmt. Dazu gehören z. B. Rehabilitationen, langfristige Therapien, Leistungen aus der Pflegeversicherung (Pflegestufen oder Hilfsmittel wie Pflegebetten), Kuren oder Medikamente, die „off-label“ eingesetzt werden. Privatversicherte sollten vorab mit ihrer Versicherung klären, ob und in welchem Umfang die Kosten übernommen werden.
Diagnose – und jetzt?Umgang mit der Gewissheit
Wenn bei Ihnen oder einem Ihnen nahestehenden Menschen eine schwere oder chronische Krankheit festgestellt wird, ändert sich vieles in Ihrem Leben. Besonders wenn Kinder erkranken, steht der Familienalltag plötzlich Kopf und Eltern sind besonders gefordert. Mit einer eindeutigen Diagnose haben Sie zwar Gewissheit. Doch stehen Sie nun an einem Punkt, an dem Ihnen klar wird: Das Leben wird ab jetzt anders sein als zuvor. Die Aussicht auf eine komplexe und langwierige Behandlung gleicht einer Fahrt ins Ungewisse. Verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick. Sammeln Sie alle Informationen über die geplante Behandlung und deren Ablauf. Ärzte und medizinisches Fachpersonal sind hier die wichtigsten Ansprechpersonen. Sie klären über Behandlungsoptionen, Risiken und den zu erwartenden Verlauf auf. Eine offene Kommunikation mit dem behandelnden Team ist entscheidend, um Unsicherheiten abzubauen und informierte Entscheidungen zu treffen. Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen, wenn Sie etwas nicht sofort verstehen.
Diagnose – und jetzt?Umgang mit der Gewissheit
Werden Sie Experte für Ihre Krankheit
praktischer tipp
Nehmen Sie immer ein Notizbuch mit. Schreiben Sie sich Fragen auf oder notieren Sie sich Eindrücke und Erlebnisse wie in einem Tagebuch. Das wird Ihnen helfen, mit der Krankheit umzugehen und später zu reflektieren.
Nutzen Sie Online-Informationen, aber gehen Sie damit bewusst um. Wichtig: Im Internet gibt es viele allgemeine Informationen, die nicht immer direkt auf Ihre individuelle Situation zutreffen. Dies kann schnell zu Verunsicherung führen. Greifen Sie auf seriöse Quellen zurück und finden Sie Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen. Diese bieten Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, und helfen dabei, mit der Situation umzugehen.
Diagnose – und jetzt?Umgang mit der Gewissheit
Vernetzen Sie sich
Adressen von Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland finden Sie hier:
Es gibt Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen für praktisch jedes Krankheitsbild. Von bekannten Krankheiten wie Krebs oder Diabetes bis hin zu extrem seltenen Erkrankungen, von denen oft Kinder betroffen sind. In diesen Vereinen arbeiten engagierte Teams, oft ehrenamtlich. Meist sind sie selbst Betroffene oder Angehörige. Sie kümmern sich um Infomaterial, organisieren Gruppentreffen und Veranstaltungen, teilen ihre Erfahrung oder hören auch mal nur zu. Patientenvertreter sind eine wichtige Säule in der Versorgung. Sie ergänzen das medizinische Fachwissen mit ihrer menschlichen Perspektive und Praxiserfahrung.
https://www.nakos.de/adressen/gruen/
Zurechtfinden im neuen Alltag
Nach einer Diagnose steht die schnelle Behandlung im Vordergrund. Das Wichtigste ist, dass diese erfolgreich ist und Patienten eine Perspektive bekommen. Doch selbst dann enden die Herausforderungen für Betroffene nicht. Nachsorge, Rehabilitation und Wiedereingliederung in den Alltag sind wichtig. Sie bringen Lebensqualität zurück und helfen, mit der Krankheit und ihren Auswirkungen zu leben.
Langfristige Unterstützung und Nachteilsausgleich
Grad der Behinderung (GdB)
Rehabilitation und Wiedereingliederung
Info
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Zurechtfinden im neuen Alltag
Eltern, bei deren Kind ein Pflegegrad festgestellt wurde, haben automatisch Anspruch auf einen Entlastungsbetrag. Dienst kann für verschiedene Unterstützungsleistungen genutzt werden. Erkundigen Sie sich hierzu bei Ihrer Krankenkasse!
Wenn Sie Hilfe im Alltag benötigen, können Sie einen Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen. Voraussetzung: Die krankheitsbedingten Beeinträchtigungen bestehen mindestens sechs Monate oder dauerhaft. Der Pflegegrad legt fest, in welcher Höhe eine Person Leistungen von der Pflegeversicherung erhält.Wichtig: Der Anspruch gilt erst ab Antragstellung. Ein Gutachter entscheidet über Art und Umfang der Unterstützung. Bei Pflegebedürftigkeit sind zudem regelmäßige Beratungseinsätze nötig.
Die Pflegekasse ist der Krankenkasse angegliedert. Es reicht ein formloser Antrag. Im Internet finden Sie auch Musterbriefe, z.B. bei der Verbraucherzentrale.
Der informierte Patient
Als aktiver und informierter Patient übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Gesundheit und die Ihrer Familie. Sie wissen viel über Ihre Erkrankung, über Unterstützungsmöglichkeiten und haben sich ein Netzwerk aufgebaut, in dem Sie sich austauschen. Das ist auch eine seelische Stütze, denn Sie wissen: Sie sind nicht allein. Vielleicht haben Sie sogar Lust, sich ein einer Selbsthilfegruppe ehrenamtlich zu engagieren und so anderen zu helfen, die noch am Anfang ihrer Reise stehen.
Eigenverantwortung übernehmen
Stärke und Zuversicht trotz Krankheit
Mit einer Krankheit erwachsen werden
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Der informierte Patient
Informieren Sie sich über die elektronische Patientenakte (ePA), die ab Anfang 2025 für alle gesetzlich Versicherten eingerichtet wird. Sie ermöglicht es, wichtige Gesundheitsdaten zentral zu speichern erleichtert den Austausch zwischen behandelnden Ärzten. Auch Sie haben einen besseren Überblick über Ihre Krankengeschichte.
https://www.gematik.de/versicherte/epa-app
Eigenverantwortung
Eigenverantwortung umfasst verschiedene Aspekte. Sie stärkt die Patientenautonomie ist, aber auch ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Behandlung. Eigenverantwortung greift immer da, wo die Hauptverantwortung des Mediziners und der Medizin aufhört. Es gibt aber auch Bereiche, an denen es keine klaren Schnittstellen gibt. Die Aspekte der Eigenverantwortung umfassen:
Aktive Beteiligung an der Behandlung
Finanzielle Verantwortung
Prävention und Lebensstil
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Eigenverantwortung
Die Eigenverantwortung des Patienten ist ein wichtiger Faktor im modernen Gesundheitssystem. Sie stärkt die Patientenautonomie und fördert einen gesundheitsbewussten Lebensstil. Sie muss jedoch in einem ausgewogenen Verhältnis zum Solidaritätsprinzip und den gesetzlich verankerten Rechten und Pflichten stehen, um alle Patienten – unabhängig von ihren individuellen Möglichkeiten – angemessen zu versorgen.
Schlusswort und Impressum
Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen und hoffen, dass dieser Wegweiser eine hilfreiche Unterstützung darstellt.
Diese Infobroschüre ist ein Projekt des Vereins Leberkrankes Kind e.V.. Konzeption und Produktion: Kautz5 gUG. Das Projekt wird finanziell unterstützt von Mirum Deutschland GmbH. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, die Versorgungssituation von Menschen mit seltenen Erkrankungen zu verbessern. Hinweis: Eine geschlechtergerechte Sprache ist uns im Sinne der Gleichberechtigung und Inklusion sehr wichtig. Daher bevorzugen wir gendergerechte Formulierungen. An einigen Stellen verzichten wir aus Gründen der Lesbarkeit oder Verständlichkeit auf Doppelnennungen oder Sonderformen und nutzen nur die männliche Form. Selbstverständlich sind damit alle Geschlechter gemeint. Wir bitten um Ihr Verständnis. Stand der Informationen: Februar 2025 Stand der Links: April 2025 Hintergrundbild von freepik
Stärke und Zuversicht trotz Krankheit
Ihre Diagnose hat Ihr Leben einmal umgekrempelt. Vielleicht haben Sie neben dem Schock und den Ängsten aber auch neue Perspektiven gewonnen oder sich ein starkes Netzwerk von Unterstützern aufgebaut. Nutzen Sie das Wissen, um Ihre Gesundheit aktiv mitzugestalten. Gewinnen Sie Stabilität und Zuversicht zurück. Bleiben Sie informiert. So sind Sie als Patient ein mündiger Akteur im Gesundheitssystem.
Aktive Beteiligung an der Behandlung
Patienten haben auf der einen Seite das Recht auf umfassende Information und Aufklärung durch den Mediziner sowie auf Einsicht in die eigenen Behandlungsunterlagen. Sie sind aber auch verpflichtet alle Informationen z.B. zu Vorerkrankungen, familiärer Disposition, Einnahme von Medikamenten (verschreibungspflichtige und nicht-verschreibungspflichtige) gegenüber dem behandelnden Arzt mitzuteilen.
Grad der Behinderung (GdB)
Patienten mit Beeinträchtigungen können Anspruch auf einen Grad der Behinderung (GdB) haben und einen Schwerbehindertenausweis erhalten. Damit sind verschiedene Nachteilsausgleiche verbunden, z. B. Steuererleichterungen, Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr oder zusätzliche Urlaubstage. Je nach Art und Schwere der Beeinträchtigung können zudem besondere Merkzeichen im Ausweis eingetragen werden, die weitere Vorteile wie einen Parkausweis oder eine Begleitperson im Nahverkehr ermöglichen.
Antragsformulare gibt es bei den Versorgungsämtern. Die Formulare unterscheiden sich leicht von Bundesland zu Bundesland. Bei einfachteilhaben.de können Sie das für Sie passende Formular heraussuchen.
Eigenverantwortung übernehmen
Eigenverantwortung bedeutet, sich aktiv mit der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen. Dazu gehört, sich über Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, medizinische Entscheidungen bewusst mitzutragen und Arzttermine gut vorzubereiten. Auch die persönliche Lebensweise beeinflusst Krankheitsverläufe und Heilungschancen positiv und kann das Risiko, dass eine Krankheit erneut auftritt, verringern.
Langfristige Unterstützung und Nachteilsausgleich
Menschen mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen haben einen Teilhabeanspruch: das Recht auf Unterstützung, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen und an der Gesellschaft teilzuhaben. Informationen dazu bieten unabhängige Beratungsstellen wie die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB):
https://www.teilhabeberatung.de/
Mit einer Krankheit erwachsen werden
Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen werden bis zu ihrer Volljährigkeit von Kinderärzten betreut. Mit 18 Jahren steht ihnen der Übergang in die Erwachsenenmedizin bevor. Dieser Prozess wird Transition genannt. In dieser Phase lernen sie, mehr Verantwortung zu übernehmen. Eine gut geplante Transition ist wichtig, damit medizinische Versorgung, Therapien und wichtige Informationen nahtlos an diene neuen Behandler übergehen.
Ohne diese Vorbereitung könnten Versorgungslücken entstehen, was gerade bei chronischen Erkrankungen zu Komplikationen führen kann. Immer mehr Kinderkliniken bieten spezielle Programme oder Seminare an, um diesen Übergang zu erleichtern.
Prävention und Lebensstil
Die Eigenverantwortung beginnt mit der aktiven Gestaltung des eigenen Lebensstils. Dazu gehören z.B. eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Achtsamkeit gegenüber der eigenen Gesundheit, indem zum Beispiel Risikofaktoren vermieden werden, die zu einer Gesundheitsbeeinträchtigung führen können.
Finanzielle Verantwortung
Im deutschen Gesundheitssystem sind für bestimmte medizinische Maßnahmen eigene Zuzahlungen oder Kostenbeteiligungen vorgeschrieben. Zudem sollten Patienten bewusst mit Leistungen des Gesundheitssystems umgehen. Der Patient sollte darüber hinaus informiert sein, was ein behandelnder Arzt nicht kann oder der Arzt nicht zuständig ist. So z.B. die Veranlassung von Krankenfahrten, Taxischeinen oder die Vermittlung zum sozialen Dienst eines Krankenhauses.
Rehabilitation und Wiedereingliederung
Erkrankungen und die folgenden Therapien oder Operationen haben nicht nur körperliche, sondern auch psychische oder soziale Folgen. Auch damit gilt es umzugehen. Rehabilitationsmaßnahmen helfen, diese Nachwirkungen einer Erkrankung zu bewältigen. Rehas können stationär oder ambulant erfolgen. Auch die Nachsorge ist wichtig.
Nehmen Sie Kontrolluntersuchungen wahr und informieren Sie sich über Therapieangebote. Für die Rückkehr ins Arbeitsleben gibt es Programme wie das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM), das auf die Bedürfnisse von Arbeitnehmern nach längerer Krankheit eingeht.