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Geschichte Projekt

Bianca D'Aversa

Created on November 13, 2024

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Transcript

ENTNAZIFIZIERUNGund antifaschismus In der DDR

Politischer Mythos oder Realität?

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Kuratiert von: CHASSAING DE BOURDEILLE Emma, D'AVERSA Bianca und TEWES Rosa

wie funktioniert diese ausstellung?

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Liebe Besuchenden, um ein ganzheitliches Erleben unserer virtuellen Ausstellung zu ermöglichen, geben wir Ihnen auf dieser Seite einige Hilfestellungen (Sie können jedes Beispiel auf dieser Seite testen). Achtung: Der Rundgang funktioniert ausschließlich in eine Richtung. Wenn Sie zurückspringen wollen, fangen Sie bitte von vorne an.

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Wenn Sie sich nicht mehr auf der Website zurechtfinden oder einfach frei und ohne Reihenfolge durch den Rundgang springen möchten, dann können Sie mit diesen Pfeilen durch die Folien springen (siehe rechts und links auf jeder Folie).

Die braunen Button leitet Sie durch die verschiedenen Etappen unserer Ausstellung, lassen Sie von Seite zu Seite springen und geben Ihnen gegebenenfalls auch genauere Informationen zu den verschiedenen Stationen.(Hier wieder zur Startseite)

WEiter

Direktive Nr. 24

Ebenso finden Sie oben rechts immer dieses Icon: Ein Klick bringt Sie zurück zur Index-Folie, von der aus Sie die Ansicht wieder starten können!

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Willkommen!

Die DDR hat sich als ein antifaschistisches Regime inszeniert, was von allen nationalsozialistischen Einflüssen befreit ist. Dies wird heute mittlerweile als „Mythos“ oder sogar „Legende“ bezeichnet. In unserer Austellung haben wir untersucht, wie die Entnazifizierung in der SBZ stattgefunden hat und was die DDR später der Bevölkerung erzählt hat. Wie konnte sich die DDR als antifaschistisches Ideal inszenieren?

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virtueller rundgang: INDEX

5. Fazit & Schlusswort

6. Benutzungshinweise

7. Literatur

1. Willkommen

2. Entnazifizierung in der SBZ

3. Was ist ein politischer Mythos? Was ist Antifaschismus?

Los geht's!

4. Ein Antifaschistischer Gründungsmythos?

5. Gespräche mit Zeitzeug*innen

Entnazifizierung in der SBZ

August 1947

Mai 1945

Juli-August 1945

7. Oktober 1949

Kapitulation & Gründung der SBZ

SMAD Befehl Nr. 201

Gründung der DDR

Postdamer Konferenz

1950

1946

1947 - 1948

Auflösung der Internierungslager & Waldheimer Prozesse

April 1945

Formalisierung des Entnazifizierungsprozesses und flankierenden Maßnahmen

Eröffnung erster Internierungslager für Nationalsozialistische Verbrecher

Die Entnazifizierung wird offiziell für beendet erklärt

WEITER

Direktive nr. 24

Die Zielerklärung der Direktive Nr. 24 sieht folgende Schritte vor: “Die Entfernung aller Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei, die ihr aktiv und nicht nur nominell angehört haben, und aller derjenigen Personen, die den Bestrebungen der Alliierten feindlich gegenüberstehen, aus öffentlichen und halböffentlichen Ämtern und aus verantwortlichen Stellungen in bedeutenden privaten Unternehmen. Diese sind durch solche Personen zu ersetzen, die nach ihrer politischen und moralischen Einstellung für fähig erachtet werden, die Entwicklung wahrer demokratischer Einrichtungen in Deutschland zu fördern.”* Die Direktive Nr.24 gilt daher als Grundlage für weitere Entnazifizierungsmaßnahmen. *Zitate aus Originaltext (Potsdamer Abkommen)

direktive Nr. 38

Für die Umsetzung der Entnazifizierung werden die Verantwortlichen in fünf Gruppen aufgeteilt:“Zur gerechten Beurteilung der Verantwortlichkeit und zur Heranziehung zu Sühnemassnahmen (ausgenommen in dem unten folgenden Falle 5) werden folgende Gruppen gebildet: 1. Hauptschuldige; 2. Belastete (Aktivisten, Militaristen und Nutzniesser); 3. Minderbelastete (Bewährungsgruppe); 4. Mitläufer; 5. Entlastete (Personen der vorstehenden Gruppen, welche vor einer Spruchkammer nachweisen können, dass sie nicht schuldig sind)”* Mit den Direktiven Nr. 24 und Nr. 38 als Grundlage werden ab 1945 Entnazifierungsmaßnahmen in allen vier Besatzungszonen durchgeführt. In diesem Projekt wird ausschließlich die sowjetische Besatzungszone betrachtet. *Zitate aus Originaltext (Potsdamer Abkommen)

Direktive nr. 38

“Der Zweck dieser Direktive ist es, für ganz Deutschland gemeinsame Richtlinien zu schaffen betreffend: a) die Bestrafung von Kriegsverbrechern, Nationalsozialisten, Militaristen und Industriellen, welche das nationalsozialistische Regime gefördert und gestützt haben; b) die vollständige und endgültige Vernichtung des Nationalsozialismus und des Militarismus durch Gefangensetzung oder Tätigkeitsbeschränkung von bedeutenden Teilnehmern oder Anhängern dieser Lehren; c) die Internierung von Deutschen, welche, ohne bestimmter Verbrechen schuldig zu sein, als für die Ziele der Alliierten gefährlich zu betrachten sind, sowie die Kontrolle und Überwachung von Deutschen, die möglicherweise gefährlich werden können.”

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Die Schließung der Lager brachte jedoch nur für etwa die Hälfte der Gefangenen Freiheit. Viele wurden entweder ohne Haftprüfung in den Strafvollzug der DDR überführt oder nachträglich politisch verurteilt, was mit den sogenannten „Waldheimer Prozessen“ der DDR begann.

NKWD-Befehl Nr. 00315

Den Originaltext (Übersetzung) finden Sie hier

Zwischen 1945 und 1950 wurden in den sowjetischen Speziallagern rund 157.837 Häftlinge registriert, darunter 122.671 Deutsche, 34.706 Sowjetbürger und 460 Personen aus anderen Ländern. Schätzungen zufolge lag die Gesamtzahl bei bis zu 176.000 Häftlingen. Aufgrund der schlechten Haftbedingungen starben etwa 35% der Insassen, und 756 Personen wurden erschossen. Die Speziallager wurden weniger nach den Prinzipien der Entnazifizierung, sondern aus allgemeinen Sicherheitsgründen geführt. Die meisten Inhaftierten waren einfache NSDAP-Mitglieder, Mitläufer oder kleine Funktionäre, während hochrangige Nationalsozialisten in westalliierte Kriegsgefangenenlager verlegt wurden. Erst 1948 erfolgte eine Überprüfung der Internierungen, und 27.750 Häftlinge wurden entlassen, die als minderwertige Funktionäre des NS-Regimes galten.

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Aktive NSDAP-Mitglieder, Kriegsverbrecher und führende Vertreter des Hitler-Regimes müssen hingegen vor Gericht gestellt werden, und deren Verfahren sollen beschleunigt abgewickelt werden. Innerhalb von drei Monaten sind diese Personen aus allen wichtigen Positionen in der sowjetischen Besatzungszone zu entfernen. Willkürliche Zwangsräumungen und Beschlagnahmungen von Eigentum ehemaliger Faschisten dürfen nur mit richterlicher Anordnung erfolgen. Zur Überprüfung konkreter Nazi-Verbrechen entstehen Entnazifizierungskommissionen, deren Mitglieder demokratisch orientiert sein müssen. Bedeutende Fälle prüfen die Sowjetische Militärverwaltung und Militärgerichte. Deutsche Untersuchungsbehörden setzen die Maßnahmen um, während die Verwaltungschefs der Sowjetischen Militärverwaltung in den jeweiligen Ländern die Prozesse kontrollieren.

Befehl nr. 201

Ab 1947 verfolgt die sowjetische Besatzungszone in Deutschland einen neuen Kurs in der Entnazifizierungspolitik. Dabei unterscheidet sie zwischen aktiven Faschisten und nominellen, nicht aktiven Mitgliedern der NSDAP, die als fähig gelten, sich von der faschistischen Ideologie zu distanzieren. Für nicht aktive NSDAP-Mitglieder und Mitläufer ist keine generelle gerichtliche Verfolgung vorgesehen; stattdessen erhalten sie das aktive und passive Wahlrecht sowie Zugang zu politischen und bürgerlichen Rechten, um sie in den demokratischen Aufbau Deutschlands einzubinden.

Analyse Befehl Nr. 201

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urteil walter jurisch

Festnahme und Aktivität in der NS Zeit:

  • Ort/Zeit Festnahme: Rosendorf/23.08.1945
  • Inhaftierung: Waldheim
  • keine Vorstrafen
  • Aktivitäten im NS-Staat: entp. (Kürzel), Jungvolk Mitglied
  • Straftat: “ist durch seine Tätigkeit i, d, HJ u.d. Wehrwolf d. NS Gewaltherrschaft (unleserlich) den Frieden d. deutschen Volkes gefährdet.”
  • Verurteilendes Gericht: Landgericht Chemnitz, am 07.06. 1950
  • Urteil: 20 Jahre Zuchthaus, Sühnemaßnahmen, Vermögensentzug
  • Beginn/Ende der Strafe: 10.02.1950 bis (09.02.1970) 08.02.1962

Allgemeine Informationen:

  • Ausgestellt am 11.03.1950 in Waldheim
  • Walter Fritz Jurisch
  • Geboren am 10.03.1931 in Rosendorf
  • Ledig, keine Kinder
  • Größe: 1,60 m
  • Haarfarbe: braun

Analyse

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Jetzt kennen wir den Ablauf der Entnazifizierung in der SBZ...

Was ist ein politischer Mythos? Was ist Antifaschismus?

... doch wie ging es nach der Gründung der DDR damit weiter? Und was hat der antifaschistische Gründungsmythos der DDR damit zu tun? Um das zu beantworten, müssen wir zunächst zwei weitere Fragen genauer betrachten:

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Aber was ist ein

Politischer Mythos ?

Voreingenommene und übertriebene Darstellung der Information

Komplexitätsreduzierung

" Eine intellektuelle und emotionale Erzählung über eine historische Person, einen politischen Sachverhalt oder ein politisches Ereignis mit einem kollektiven, sinn- und identitätsstiftenden Wirkungspotential " *

Politischer Mythos

Verbindung mit der Vergangenheit

* Andreas Dörner: Politischer Mythos und symbolische Politik. Der Hermannmythos – Zur Entstehung des Nationalbewusstseins der Deutschen. Reinbek bei Hamburg 1996, ISBN 3-499-55568-9, S. 42–62.

Unmöglichkeit der Überprüfung

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Beispiele:politischer mythos

„ Politische Mythen enthalten dabei immer Elemente von Wahrheit und Lüge, von Geschichtsschreibung und Prophetie, von Vergangenheit und Zukunft. Sie sind insofern wahr und falsch zugleich. Indem sie soziale und politische Wirklichkeiten begründen, sind sie wahr. Indem sie der Gemeinschaft eine Zukunft weisen, erfüllen sie sich selbst." *

Gründungsmythos

Instrumentalisierung und Manipulation von Ereignissen

* Claus Leggewie: Der Mythos des Neuanfangs. Gründungsetappen der Bundesrepublik Deutschland: 1949–1968–1989. In: Helmut Berding (Hrsg.): Mythos und Nation. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewußtseins in der Neuzeit. Frankfurt am Main 1996, S. 275–302.

Personenkult durch politischen Mythos

ZUrück

Was ist antifaschismus?

Wörtliche Sinnebene

Um den Begriff Antifaschismus zu verstehen, muss er auf zwei Sinnebenen betrachtet werden: Aus der wörtlichen Sinnebene ergeben sich verschiedene Sinnkonstruktionen...

Zusätzliche Sinnkonstruktionen

ZUrück

EIN Antifaschistischer Gründungsmythos ?

Wie viel Wahrheit braucht die Propaganda?

Wie wurde der Antifaschismus in der DDR inszeniert? Dies beantworten wir anhand von Primär- umd Sekundärquellen sowie vier Zeitzeugenberichten:

Was können uns die Verfassungen der DDR über ihr Verhätnis zur NS-Zeit verraten?

Welche Methoden der Inzenierung wurden umgesetzt?

"Bessere Entnazifizierung" als Rechtfertigung für einen antifaschistischen Anspruch?

Wurde Bildung als Werkzeug des Antifaschismus instrumentalisiert?

Nationalsozialismus und Sozialismus: Eine Verbindung?

Gab es ehemalige Nazionalsozialisten, die in der DDR Karriere machten?

Antifaschismus: Eine Stategie der Abgrenzung?

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2. Verfassung

Die drei verfassungen der ddr

In der Verfassung von 1968 wird sich dementgegen nur ein Mal auf den Nationalsozialismus.

Innerhalb Ihres Bestehens gab die DDR sich insgesamt drei Verfassungen (1949, 1968 und 1974). Die Änderungen und neuen Verfassungen lassen sich damit begründen, dass sich Theorie der Verfassung und politische Realität teils stark unterschieden und durch die Anpassungen die Rechtsstaatlichkeit gesichert werden sollte. Auch wurde das sich veränderte Verhältnis zur BRD durch den sich verschärfenden Kalten Krieg in den Verfassungen dargestellt und angepasst. Wir haben die Verfassungen auf ihren Bezug zum Nationalsozialismus und die daraus resultierende antifaschistische Haltung untersucht.

Analyse

Ulbricht unterschreibt die neue Verfassung am 08.April 1968

3. Verfassung
1. Verfassung

Interessant ist, dass in der ersten Verfassung es insgesamt drei Mal einen expliziten Bezug auf den Nationalsozialismus gibt. Dabei werden Rechte, Enteignung und die Rückwirkungsregelung des Strafrechts thematisiert.

In der Verfassung 1974 ändert sich nichts bezüglich der Behandlung vom Thema Nationalsozialismus.

Analyse

Verfassung von 1949

Verfassung von 1974

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Bessere Entnazifizierung ALs Rechtfertigung für den Antifaschistischen anspruch?

In der SBZ / späteren DDR waren ca. 3% der Gesamtbevölkerung von den Maßnahmen betroffen und im Schnitt wurde jedes 8. Mitglied der NSDAP bestraft. (vgl. Münkler S.22). Damit stimmt die Wahrnehmung, dass in der DDR stärker entnazifiziert wurde als in der BRD. Der Historiker Rüdiger Bernstein beschreibt, dass es zunächst ein hartes Durchgreifen in der SBZ gab. Ab Mitte der 50er Jahre sei es jedoch zu mehreren Amnestie-Wellen in der DDR gekommen. Er resümiert: „Mitte der 50er-Jahren saß von den mehrere Tausend verurteilten NS-Tätern kaum noch jemand in Haft. Die waren alle wieder entlassen worden. Und das war im krassen Gegensatz, was in der Bevölkerung und auch unter den Opfern in der DDR geglaubt wurde.“ (Quelle Deutschlandfunk Interview 2016, siehe Bibliographie.) Dies zeigt, dass die Selbstdarstellung der DDR als radikal anti-faschistisch insofern schwankt, als dass viele verurteilte NS-Täter deutlich früher freigelassen wurden, als es eigentlich vorgesehen war. Zudem sollte man nicht vergessen, dass es auch viele Täter oder zumindest Mitläufer gab, die sich im Dritten Reich schuldig gemacht haben. Wie ist die DDR damit umgegangen? Welche Strategien hat sie entwickelt?

Plakat sowjetische Besatzgunszone, Sachsen, 1946

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Problem: War nationalialsozialismus auch eine form von sozialismus?

Besonders herausfordernd waren für die DDR im Zuge der Distanzierung zum 3.Reich jedoch zwei Sachen: einmal, dass auch Nationalsozialismus als eine Form von Sozialismus interpretiert werden konnte (die DDR war nach ihrem Selbstverständnis ein sozialistischer Staat) und zweitens, dass Hitler auch versucht hatte, die Arbeiter (die für den Kommunismus die wichtigste Klasse sind) für seine Politik zu mobilisieren. (siehe Münkler, S.27) Für das erste Problem fand die DDR darin eine Lösung, dass meistens vom Kampf gegen den Faschismus und auch von anti-faschistischem Engagement gesprochen wurde und man so den Begriff des NationalSOZALISMUS vermeiden konnte. Wenn überhaupt wurden dieser Begriff in seiner Kurzform für „Nazis“ verwendet oder es wurde auf Hitler Bezug genommen, wie auch in der Rede von Walter Ulbricht zum Mauerbau, in welcher er die BRD-Generäle immer wieder als „Hitler“-Generäle bezeichnete.

Kundgebung des Reichsarbeitsdienstes zum 1. Mai 1933 in München Bild: SZ-Photo / Scherl

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Problematisch war jedoch, dass diese Erzählung dem kollektiven Gedächtnis einer ganzen Generation gegenüberstand, die eigentlich wusste, dass die Mehrheit nicht im kommunistischen Widerstand tätig war und „sich darüber im Klaren {war}, dass sie den Faschismus auf irgendeine Weise unterstützt hatte, und {…} sich schuldig {fühlte}.“ (Münkler, S.23). Deswegen musste und hat die DDR die wirklichen Widerstandskämpfer zu Ikonen und Helden erhoben, welche als Identifikationsfiguren und folglich auch kollektiven Entlastungsfantasien dienen konnten (vgl. S. 25). Dadurch wurde das kollektive Gedächtnis bereinigt und niemand musste sich mehr schuldig fühlen (vgl. S.23). Eine prominentes Beispiel dafür ist Ernst Thälmann. Dieser war als ehemaliger KPD-Vorsitzender insgesamt elf Jahre von den Nazis eingesperrt und starb 1944 im KZ-Buchwald.

Strategie Abgrenzung

Die DDR hat sich nicht nur stark zur BRD, sondern auch zur Geschichte abgegrenzt. Gleichzeitig wurde das Mitwirken der breiten deutschen Gesellschaft in der NS-Zeit relativiert. Der Historiker Bernd Faulenbach analysiert: „Das NS-Erbe wurde zum Problem der Westdeutschen. Hitler war gleichsam ein Westdeutscher geworden.“ (Münkler, S.23))Dies fasst treffend zusammen, dass ein Großteil der DDR-Bevölkerung dadurch moralisch entlastet wurde, da die Verantwortung auf die BRD abgeschoben wurde.Hier kommt der anti-faschistische Gründungsmythos auch zum Tragen. Dieser würde sicherstellen, dass die DDR-Bürger „selbst zu den Opfern des Faschismus und gleichzeitig zu den Siegern der Geschichte und nicht zu den Tätern und Verlierern gehörte{n}.“ (Münkler, S. 23). Unser Zeitzeuge und Direktor des DDR-Museums in Berlin Herr Freiherr von Gordin erinnert sich kritisch: „Die Idee war immer eine Abgrenzung: Wir DDR haben nichts mit dem Nationalsozialismus und Faschismus zu tun, das sei eine andere Ära. Dadurch entstand glaube ich auch so ein künstlicher Abstand, der gar nicht existent war. Die haben sich nie als Nachfolgegeneration, als Nachfolgeland oder mit der Übernahme einer Verantwortung irgendwie identifiziert und das hat natürlich etwas mit der Bevölkerung gemacht“.

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Strategie: wahre ereignisse übertreiben und für zwecke instrumentalisieren

Es gab Widerstand gegen das Nazi-Regime, auch kommunistischen. Die DDR versuchte sich vor allem dadurch zu legitimieren, dass diese Widerstandskämpfer gegen das moralisch absolut verwerfliche 3.Reich nun die DDR mitaufbauten. Walter Ulbricht selbst hatte kommunistischen Widerstand geleistet, ab 1933 aus dem tschechischen und französischen Ausland. Erich Honecker (1912-1994) hatte, ebenfalls als Mitglied der KPD, Widerstand gegen die Nationalsozialisten geleistet. Von 1937 bis 1945 musste er deswegen in ein Zuchthaus. Ihre Unschuld und sogar positive Leistung in der Zeit des 3.Reiches legitimierte die DDR als antifaschistischen Staat. Allerdings wurde dabei laut Münkler: „Weit über den tatsächlich geleisteten Widerstand {…} das Bild eines kontinuierlichen, breite Bevölkerungskreise umfassenden Widerstands entworfen, in dessen Tradition sich die DDR dann selbst gestellt hat.“ (Münkler, S.17). Münkler resümiert treffend: „Das politisch gute Gewissen hing nicht am eigenen Tun in der Vergangenheit, sondern an der Kollektivamnestie durch den antifaschistischen Gründungsmythos.“ (Münkler, S.24).

Buch aus dem Jahr 1978 vom Röderberg-Verlag (Verlag der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes), der dafür bekannt war antifaschistische Literatur zu drucken.

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Ulbricht kritisiert den Bundesminister für Verteidigung Franz Josef Strauß und damit die Politik der BRD folgendermaßen:„Kriegsminister Strauß beschleunigt die atomare Ausrüstung, der unter dem Befehl von Hitlergenerälen stehenden Bonner NATO-Armee. Er erklärte in frechem Übermut der zweite Weltkrieg sei noch nicht beendet. Er knüpfte direkt an die abenteuerlichen Pläne Hitlers und Himmlers an.“ (05:15-05:40). West-Berlin hätte in der Nachkriegszeit den Kampf der Anti-Hitler-Koalition für den „Kampf gegen die Antifaschisten und gegen den Kommunismus“ eingesetzt (33:30). So wäre „West-Berlin zu einer Bastion, in der die Ideologie des Hitler-Reiches konserviert wurde“ (33:20). Die DDR würde dafür sorgen, dass „alle Überreste {des 2.Weltkrieges} verschwinden“. Indem die BRD als Nachfolgegebilde des Nationalsozialismus dargestellt wird, legitimiert sich die DDR in Abgrenzung zur BRD als moralisch und politisch.

Rede von Walter Ulbricht am 18.08.1961

Von der politischen Führungsebene wurde sich immer wieder aktiv gegen den Westen, die NATO und die BRD abgegrenzt und vor allem letztere eine Tradition des Nationalsozialismus vorgeworfen. In einer Rede von Walter Ulbricht am 18.08.1961 rechtfertigt er den Bau der Mauer, welcher er als „antifaschistischen Schutzwall“ bezeichnet.

Hier können Sie sich die Rede anschauen. Wir haben die Minuten der Auschnitte immer in Klammern geschrieben.

Alleine in dieser Rede wird deutlich, dass sich die DDR immer wieder von der BRD abgrenzt und sich selbst als antifaschistisches Ideal inszeniert. Dabei wird vor allem wieder betont, dass die BRD nationalsozialistische Pläne hätte und deswegen gefährlich sei.

Es folgt eine kurze Analyse der Rede.

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Immer wieder bezeichnet Ulbricht Militärpersonal aus der BRD als „Hitlergeneräle und Helfershelfer“. Die DDR inszeniert er in Abgrenzung dazu als einen durch und durch friedlichen Staat, und betont dies wiederholt. Ulbricht rechtfertigt den Bau der Mauer mit einer vermeintlichen Bedrohungslage durch den Westen und lässt anmuten, dass der DDR ein Überfall durch die BRD ähnlich wie dem Überfall Hitlers auf Polen vorbereitet hätte: „Es gibt ja schließlich noch genügend Leute, die sich noch genau daran erinnern, wie Hitler seinen Überfall auf die Tschechoslowakei und dann auf Polen vorbereitet hat.“ Damit wirft er der BRD erneut Nazi-ähnliche Gedanken und Pläne vor. Er beschreibt wie die „Nazipresse“ über „die armen bejammernswerten Flüchtlingen“, die sich „heim ins Reich“ retten wollten, zu Anfang des 2.Weltkrieges schreibt . Im Anschluss kommentiert er die Presse der BRD: „In genau derselben Weise, ja sogar wortwörtlich mit genau denselben Schlagzeilen in der militaristischen westdeutschen Presse {…} wurde 1961 versuchte die Deutsche Demokratische Republik zu diffamieren“ (12:00-12:40). Damit setzt er die BRD-Presse mit der Propaganda Presse der Nationalsozialisten gleich.

Später beschreibt Ulbricht ein fiktives Szenario, in welchem sich die sozialdemokratische Preußenregierung mit Polizeimacht und kommunistischer Unterstützung schon 1932 „das ganze faschistische Gesindel zum Teufel“ gejagt hätten und so laut ihm das Dritte Reich verhindern hätten können. Doch leider wäre es nicht dazu, sondern zur Kapitulation gekommen. Ulbricht betont, dass es „im ersten deutschen Arbeiter-und-Bauern-Staat keine solche Narren und Schwachköpfe gibt, die auf Drohungen der Militaristen in die Knie gehen“ (21:30-21:40). Dadurch behauptet er, dass alle Bürger der DDR überzeugte Antifaschisten und Kommunisten seien, was nicht der Realität entsprochen hat. Walter Ulbricht erklärt außerdem, dass es „Deutsche und Deutsche“ gäbe. Es gäbe „Deutsche, die in den Konzentrationslagern saßen, gequält und gepeinigt und ermordet worden und es gibt andere Deutsche, die ihre Henker und Peiniger waren“ (41:15-41:30). „Es gibt Deutsche wie unseren Ernst Thälmann und Rudolf Breitscheid, die von den Faschisten ermordet wurden und es gibt Deutsche, die die Mörder von zehntausenden unserer besten Genossen waren und die {…} heute in Westdeutschland in leitendenden Staatsfunktionen sitzen.“ (42:00-42:25). Klar ist bei dieser Aufzählung natürlich, dass die guten Deutschen alle in der DDR seien und die schlechten in der BRD. Wie unsere digitale Ausstellung zeigt, trifft dies nicht zu.

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Bildung in der ddr

So wird zum Beispiel im „Lehrplan der 12-Klassigen erweiterten Oberstufe Für Das Schuljahr 1959/1960) an die Lehrer appelliert, dass „der Große Deutsch Bauernkrieg, die Revolution von 1848/49 und die Novemberrevolution {…} als die größten revolutionären Massenbewegungen in der Geschichte des deutschen Volkes zu würdigen“ sind. Ferner wird in einem Lehrplan für Geschichte der Klasse 9 und 10 aus dem Jahr 1979 zum Ziel erklärt, dass die Schüler ein „exaktes, dauerhaftes und anwendungsbereites Wissen über den Kampf für eine tiefgreifende, antifaschistisch-demokratische Umwälzung in Deutschland {und} die Schaffung des ersten deutschen Arbeiter-und-Bauern-Staates“ lernen. Dies fasst gut das Selbstverständnis der DDR zusammen.

Über Bildung können Staaten ganze Generationen mit ihren Vorstellungen von Gut und Böse, Richtig und Falsch und ihren politischen Mythen prägen. Dies kann Rückhalt in der Bevölkerung sichern und trägt dazu bei die Welt durch dieselbe Linse zu betrachten. Dadurch erhöht sich das Gemeinschaftsgefühl und die Identifikation mit dem Staat und seinen Ideen.

In einem Geschichtsbuch über die Jahre 1944-1976 aus dem Jahr 1978 für die 10.Klasse (Geschichte 10, Volk und Wissen, Volkseigener Verlag Berlin 1978, Prof. Dr. Rudolf Dau et. Al.) wurde auf 244 Seiten über 120-mal der Begriff „Antifaschismus“ / „antifaschistisch“ verwendet. Dies verdeutlicht welche zentrale Rolle die antifaschistische Idee für die DDR und ihre Identität spielte. Die Geschichte wurde im Sinne der Ideologie dargestellt und analysiert.

Dieser „Potenziale“ war sich die Führung der DDR bewusst und nutzte sie umfassend. Der Staat hatte einen großen Einfluss auf die Unterrichtsgestaltung, insbesondere da Staat und die Partei SED eins waren und es keine nennenswerte Opposition gab (vgl. Münkler S.22). Analysiert man die damaligen Lehrpläne und eingesetzten Unterrichtsmaterialien, lässt sich schnell erkennen, welche inhaltlichen Schwerpunkte im Bildungswesen der DDR gesetzt wurden.

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Der von uns interviewte Zeitzeuge Andreas Herzog erinnert sich an seine Leseerfahrung in der Schule folgendermaßen: „Irgendwann haben wir den Roman „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz gelesen“ {…}, das glaube ich eins der eindrucksvollsten Beispiele ist für die Aufarbeitung des Faschismus in der DDR, weil dort natürlich der kommunistische Widerstand in den Mittelpunkt rückte. Die Emotionen, die dort geweckt wurden, die man da aufgebaut hat, das hat man nicht vergessen. Ich habe da einen ganz starken Eindruck von den Qualen, die die Menschen dort erlitten haben.“ (07:50-08:30). Die Bildung war laut Herrn Herzog „einseitig insofern, als dass der kommunistische Widerstand und die kommunistischen Opfer natürlich immer im Mittelpunkt standen. Das ist ja kein Geheimnis und geht schon los mit der Faschismus Definition der DDR, dass das die Herrschaft der aggressivsten Kreise des Finanzkapitals ist.“ (06:45-07:05). Er resümiert: „Wir sind eigentlich schon in mehrfacher Hinsicht zu überzeugten Antifaschisten erzogen worden“ “Die Lehrerschaft waren 1a Sozialisten. Meine Schule war schon eine sehr rote Schule und alle waren sehr systemtreu. Von daher hatten alle auch einen ganz klaren Blick auf Nazi-Deutschland und das wir das besser Deutschland sowieso als Westdeutschland waren, stand auch für die fest.”

Die Analyse von Münkler sagt aus, dass der Deutschunterricht versuchte „eine politisch nicht weiter differenzierte emotionale Bindung an den Antifaschismus zu vermitteln und Sympathien derjenigen zu wecken, die dem NS-Regime Widerstand geleistet hatten.“(Münkler, S.24). Ein Beispiel dafür ist der Roman „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz, welcher in der DDR-Pflichtlektüre war und zu einem der am meisten verkauften Büchern gehörte (Quelle). Kommunisten werden dabei als Helden im Konzentrationslager Buchenwald gerühmt.

Ein Beispiel dafür ist der Roman „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz, welcher in der DDR-Pflichtlektüre war und zu einem der am meisten verkauften Büchern gehörte (Quelle). Kommunisten werden dabei als Helden im Konzentrationslager Buchenwald gerühmt.

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Ehemalige Nsdap-Mitglieder in der SED

Hans Bentzien: Erster Sekretär der SED-Kreisleitung Jena-Stadt von 1953 bis 1954

Um das Verhalten der SED zu ehemaligen NSDAP-Mitgliedern besser zu verstehen, kann ein kleiner Zeitstrahl helfen:

30. Oktober 1945

2. September 1952

Gesetz über Aufhebung der Beschränkungen von Rechten ehem. NSDAP-Mitglieder

Beschluss: Keine Aufnahme ehem. Mitglieder der NSDAP in die SED

2. Analyse

Aufhebung des Unvereinbarkeitsbeschlusses

1946

1. Karriere Betzien

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Um das Thema der Entnazifizierung und des Antifaschismus ganzheitlich zu verstehen, haben wir vier ehemalige Bürger*innen der DDR interviewt und dadurch vier verschiedene neue Perspektiven bekommen:

Zeitzeugenberichte

Kersten Storch: "Das war ganz Schwarz Weiß, im Osten war alles entnazifiziert."

Frank Siewert: “Ich glaube der Begriff der Entnazifizierung, der fiel eigentlich in der DDR nicht.”

Andreas Herzog „Wir sind eigentlich schon in mehrfacher Hinsicht zu überzeugten Antifaschisten erzogen worden“

Gorgon Freiherr von Godin „Die Idee war immer eine Abgrenzung: Wir DDR haben nichts mit dem Nationalsozialismus und Faschismus zu tun, das sei eine andere Ära."

Was haben wir gelernt?

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Wie wurde das Thema der Entnazifizierung in der DDR wahrgenommen?“Die offizielle Lesart war: Die DDR war komplett entnazifiziert, also das haben wir in der DDR in Anführungsstrichelchen ganz gründlich durchgezogen im Gegensatz zum Westen so wurde das vor allem im Unterrichtsfach Staatsbürgerkunde (…) ab der sechsten Klasse behandelt (…) Das war ganz Schwarz Weiß, im Osten war alles entnazifiziert, vor allem das Schulwesen und das Rechtswesen.“ Zum Unterrichtsfach Staatsbürgerkunde erzählt Frau Storch:„Das war eigentlich so ein Ideologie-Fach, also da wurde man gestreamt für ‚Der Sozialismus ist der bessere Weg‘ und im Osten leben die besseren Menschen und so weiter und so fort. Der Marxismus, Leninismus für Schüler, sag ich mal.“ Zu der Thematisierung des Nationalsozialismus in der Schule berichtet sie: „Die Zeit des Nationalsozialismus, das war schon ein großes Thema. Wir waren alle in Buchenwald. Das war ein Klassenausflug (…) mit vierzehn oder so. Das, was im Dritten Reich passiert ist, das wusste man schon was drüber. Aber die Linie war eben, das war dort und wir im Osten haben damit konsequent abgerechnet. Die Nazis sitzen alle im Westen"

gespräche mit zeitzeug:innen: Kersten Storch

Kersten Storch wurde am 6. Mai 1962 in Trusetal in Thüringen geboren. Sie besuchte bis zur 10. Klasse die sogenannte Polytechnische Oberschule in Trusetal und machte danach eine Lehrausbildung zur Geologiefacharbeiterin in Nordhausen und Johanngeorgenstadt. Nach ihrer Ausbildung holte sie ihr Abitur in Freiberg nach und studierte dort Geologie. Zum Wintersemester 1989 begann sie ihr Theologiestudium in Leipzig. Nach einem Auslandsaufenthalt in den USA und ihrem Vikariat beendete sie ihr Studium 2001 und arbeitete danach beim ökumenischen Rat der Kirchen in Genf. Heute arbeitet sie als Seelsorgerin und Ethikerin in der Altenpflege in Amsterdam. In den folgenden Audioauschnitten schildert sie, wie sie den Umgang mit dem Dritten Reich sowie die Ideologie des Antifaschismus in ihrem Umfeld wahrgenommen hat:

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Kersten Storch

An den Antifaschismus erinnert sich Frau Storch besonders wegen der ideologischen Verbindung der DDR mit anderen sozialistischen Staaten: Der Antifaschismus der DDR war laut Frau Storch weniger an Erlebnisse des Dritten Reiches und mehr an das direkte Erleben des Kalten Krieges gekoppelt: Wurde allgemein an den Antifaschismus geglaubt?

Außerdem erzählt Frau Storch von der sogenannten Jugendweihe, die einen wichtigen Bestandteil des Erwachsenenwerdens in der DDR und der Vermittlung der Geschichte des Dritten Reiches ausmachte: Ein weiterer Aspekt, an den sich Frau Storch erinnert, ist die Umwandlung ehemaliger Konzentrationslager in sowjetische Internierungslager: “In meiner Generation wussten das nicht alle. Ganz bestimmt nicht!” Die NS-Vergangenheit der Mitbürger*innen in dem Dorf, aus dem Frau Storch stammt, wurde allerdings nicht vollständig vergessen. Sie erinnert sich daran, dass ihre Mutter zu Beginn Schwierigkeiten hatte, gemeinsam mit ehemaligen Nationalsozialisten in die Kirche zu gehen.

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Frank siewert

Anders als Frau Storch wusste Herr Siewert mit einer Ausnahme nicht, wer in seinem Umfeld ehemalige Nationalsozialisten waren: “Es war in der Tat so, dass man eigentlich nicht wusste, da ist jetzt ein Nazi oder so (...) direkt einen Nazi zum Anfassen, einen echten, das habe ich nie gesehen.”Hier ist es wichtig, den Unterschied zwischen dem Umfeld in der anonymen Großstadt Ost-Berlin und dem Dorf Trusetal zu machen, in dem sich die meisten Bewohner kennen. Auch Herr Siewert betont, dass über die Umwandlung ehemaliger Konzentrationslager in sowjetische Internierungslager zwischen 1945 und 1950 in der DDR nicht gesprochen wurde: “Da kommen jetzt die Sowjets und nutzen diese Nazi-Einrichtung…”, das hätte man nicht gut kommunizieren können. Die Nutzung des Antifaschismusbegriffs hat Herr Siewert als aktuelles Element des Kalten Krieges und Abgrenzung zur BRD wahrgenommen und nicht als zeitliche und gesellschaftliche Abgrenzung zum Dritten Reich. Besonders hervorgehoben und sichtbar war der Begriff besonders an den Feiertagen der DDR, wie dem 8. Mai oder den 7. Oktober:

Frank Siewert wurde 1963 in Ost-Berlin geboren, wo er aufwuchs und zur Schule ging. Nach dem Abschluss seiner Schullaufbahn leistete er anderthalb Jahre Armeedienst, bevor er ein Studium der Material- und Werkstoffwissenschaften an der Bergakademie Freiberg aufnahm. Kurz vor der politischen Wende schloss er sein Studium erfolgreich ab. Anschließend begann er in Berlin als Forschungsingenieur zu arbeiten. Heute ist Frank Siewert am Helmholtz-Institut in Berlin tätig.

Auf die Frage, inwiefern er in seiner Kindheit und Jugend mit dem Thema der Entnazifizierung in Berührung gekommen ist, antwortet Herr Siewert, dass man bei der Frage klar zwischen privatem und öffentlichem Bereich unterscheiden müsse:

Den Begriff der Entnazifizierung kennt Herr Siewert hauptsächlich aus dem Westfernsehen mit einem starken Bezug zu der BRD: “Ich glaube der Begriff der Entnazifizierung, der fiel eigentlich in der DDR nicht.”

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Im Interview hinterfragt er selbstkritisch, inwiefern man sich 35 Jahre nach der DDR noch unverfälscht an diese Zeit erinnern könne: Zur Frage, wie und ob über den Nationalsozialismus und Entnazifizierung in der DDR gesprochen wurde, erinnert Herr Herzog sich, dass diese Zeit sich sehr weit weg anfühlte: Außerdem betont er, dass viele Leute auch zu Unrecht als Faschisten diffamiert wurden: Gleichzeitig hätte das neue System aufgrund der antifaschistischen Tradition für viele eine Mitentlastung bedeutet: Die Bildung zum NS-Staat war laut ihm in der DDR auf den Kommunistischen Widerstand fokusiert. Ihm war wichtig zu betonen, dass es jedoch nicht nur um die Kommunisten gegangen wäre. Herr Herzog resümiert zu seiner Bildung: "Wir sind eigentlich schon in mehrfacher Hinsicht zu überzeugten Antifaschisten erzogen worden", wobei auch das Lesen von entsprechender Lektüre ihn geprägt hätte. Herr Herzog erzählt auch eine aufschlussreiche Anekdote von einem Kollegen bei der Bereitschaftspolizei, der im Militärgefängnis gesessen hatte, weil er die DDR-Offiziere als „Nazis“ beschimpft hätte. Herr Herzog fügt hinzu, dass es natürlich auch viele Unterschiede gäbe zwischen dem NS-Staat und der DDR.

Andreas herzog

Andreas Herzog, wurde 1959 in Leipzig geboren und hat die gesamte DDR-Zeit dort verbracht. Seine Eltern waren Lehrer. Er hat nach der 10.Klasse eine Berufsausbildung (Facharbeiter Straßenbau) mit Abitur gemacht und später Germanistik studiert (promoviert und habilitiert an der Universität Leipzig). 2006 ist er nach Essen gegangen und ist dort seitdem Lehrer für Deutsch und Geschichte. Er selbst bezeichnet sich als DDR kritisch, was er jedoch nur bedingt zu der Zeit hätte zeigen können. In seiner Stasi-Akte würde drinstehen, dass er „intelligent sei und genau wüsste wie weit {er} gehen kann.“

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Gordon Freiherr von Godin

Auf die Frage wie die DDR mit dem Nationalsozialismus umgegangen wäre, unterschreicht er, dass sich die DDr immer versucht habe abzugrenzen und soeht darin auch eine Ursache für heutiges Wahlverhalten in den "neuen" Bundesländern. Die Schule sei für ihn von einer antifaschistischen Erziehung geprägt gewesen. “Die Lehrerschaft waren 1a Sozialisten. Meine Schule war schon eine sehr rote Schule und alle waren sehr systemtreu. Von daher hatten alle auch einen ganz klaren Blick auf Nazi-Deutschland und das wir das besser Deutschland sowieso als Westdeutschland waren, stand auch für die fest.” Das Thema Entnazifizierung sei hingegen nicht präsent gewesen in der Öffentlichkeit der 1970 und 1980er Jahre. Dementsprechend habe sich die Gesellschaft auch nicht als Nachfolgeneration Nazi-Deutschlands wahrgenommen, eine ähnliche Perspektive also wie von Herrn Herzog. Die Verbindung zwischen Kommunismus und Antifaschismus war für ihn reziprok:

Gorgon Freiherr von Godin (geb.Tscheschner) wurde 1970 in Ost-Berlin, Prenzlauer-Berg, geboren. Er ist in eher ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Von 1976-1986 besuchte er die Schule, danach machte er eine Ausbildung zum Bautischler. Er selbst bezeichnet sich als DDR kritisch und sei dies auch immer schon aufgrund seiner Eltern, die ihn auch Westfernsehen haben schauen lassen, gewesen.

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Die DDR konnte sich aus verschiedenen Gründen, die wir in unserem Rundgang beleuchtet haben, als antifaschistisches Ideal inszenieren. Zunächst verlief die Entnazifizierung in der SBZ tatsächlich konsequenter und strenger als in den westlichen Besatzungszonen und begründete so das Antifaschismus-Argument. Der Gründungsmythos des antifaschistischen Staates DDR machte eine Selbstdarstellung als Siegerin der Geschichte möglich und grenzte den neuen deutschen Staat vom Dritten Reich ab. Diese Interpretation der Geschichte wurde durch verschiedene Methoden, ob in Reden und politischen Diskursen oder den Lehrmaterialien, immer wieder vermittelt und gefestigt, so dass man sich einer gemeinsamen Wahrnehmungen von Gut und Böse sicher sein konnte. Die Beispiele zeigen aber auch, dass es sich eher um einen konstruierten Mythos als um die Realität handelte (siehe SED-Karrieren von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern). Der antifaschistische Gründungsmythos half der DDR auch dabei, sich eine distinkte Identität in Abgrenzung zur BRD zu schaffen. In den Zeitzeugenberichten wird deutlich, dass Antifaschismus später hauptsächlich als Abgrenzungsbegriff zum Westen verstanden wurde (Berliner Mauer als ‘antifaschistischer Schutzwall’). Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Antifaschismusideal den Staat von der Nachkriegszeit bis zur Wende über vier Jahrzehnte begleitete und bis zum Ende der DDR 1990 bestehen blieb.

Was können wir AUS DEM RUNDGANG mitnehmen?

Wie konnte sich die DDR als antifaschistisches Ideal inszenieren?

WEITER

Vielen Dank, dass Sie uns auf unserem kleinen Rundgang durch die Deutungen und Aneignungen der ostdeutschen Vergangenheit begleitet haben!

LITERATUR:

Wenn Sie auf das Symbol klicken, finden Sie das Dokument mit der Bibliograpie die wir benutzt haben, um diese digitale Anstellung zu vorbereiten:

1946: Formalisierung und Maßnahmen für die Entnazifizierung in der SBZ

Im Jahr 1946 wurde der Entnazifizierungsprozess in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) weiter formalisiert. Im Januar erließ die SMAD die Verordnung Nr. 124, die die Beschlagnahmung von Vermögenswerten führender Nazi-Funktionäre und Kriegsverbrecher anordnete. Im Februar folgte eine Direktive zur Säuberung von Lehrkräften, bei der Tausende von Lehrern mit Nazi-Vergangenheit aus ihren Positionen entfernt wurden. Im Frühjahr 1946 wurden Antifa-Ausschüsse gebildet, um auf lokaler Ebene ehemalige Nazis zu identifizieren und aus Machtpositionen zu entfernen. Im Juni wurde die Beschäftigung von NSDAP-Mitgliedern im öffentlichen Dienst verboten. Im Oktober 1946 erließ der Alliierte Kontrollrat die Richtlinie Nr. 38, die die Bestrafung von Nazi-Kriegsverbrechern regelte, wobei die SBZ diese im Einklang mit sowjetischen Zielen umsetzte.

Waldheimer Prozesse

Anfang 1950 verkündeten die Führung der neu gegründeten DDR und die Sowjetische Kontrollmission die Auflösung der sowjetischen Internierungslager. Etwa 3.400 Internierte wurden den DDR-Behörden übergeben und ab April 1950 in den sogenannten Waldheimer Prozessen vor Gericht gestellt. Anhand der Strafvollzugskarte von Walter Jurisch können die Waldheimer Prozesse detaillierter betrachtet werden:

Urteil Walter Jurisch

SED, Antifaschismus und Hans Betzien

Hans Bentzien verschwieg seine frühere NSDAP-Mitgliedschaft nicht und gab diese Information bereits 1946 bei seinem Eintritt in die KPD an. Die Antwort des verantwortlichen Kreissekretärs entsprach der später üblichen Linie der SED, die pragmatisch auch ehemalige NSDAP-Mitglieder aufnahm. Da Lehrer dringend gebraucht wurden, stellte man auch solche mit NS-Vergangenheit ein – ihre politische Vergangenheit war zunächst zweitrangig. Trotzdem nahm die SED die Pflicht zur Angabe früherer Parteizugehörigkeiten sehr ernst, um die Verlässlichkeit ihrer Mitglieder besser einschätzen zu können.In den 1960er Jahren wurde in der Bundesrepublik die NS-Vergangenheit einiger SED-Spitzenfunktionäre thematisiert. Da die Parteiführung den „Antifaschismus“ zum zentralen politischen Prinzip erhoben und stets betont hatte, die DDR sei nicht nur ideologisch, sondern auch personell vollständig entnazifiziert, sah sie sich zur Reaktion gezwungen. Kurz darauf wurde Bentzien als Minister abgesetzt. Er bekannte sich nun erstmals auch öffentlich zu seiner früheren NSDAP-Mitgliedschaft und nicht mehr nur intern. Die SED hielt dennoch an ihm fest, da er mehrfach seine Loyalität bewiesen hatte, und er übernahm 1965 die Leitung eines DDR-Verlags. Bentziens NS-Vergangenheit geriet in Vergessenheit.Im Umgang mit diesem Thema setzte die SED insgesamt auf Verschwiegenheit, um die Fassade eines konsequent antifaschistischen Staates als Gegenentwurf zur Bundesrepublik Deutschland aufrechtzuerhalten.

Der Roman spielt im Winter 1945 im Konzentrationslager Buchenwald. Im Zentrum der Handlung steht ein dreijähriger Junge, der von kommunistischen Insassen versteckt und beschützt wird. Darüberhinaus wird beschrieben, dass sich die Häftlinge selbst zum Kriegsende aus dem Lager befreit hätten. Zum Zeitpunkt der Ersterscheinung, wurde auch die Gedenkstätte Buchenwald eröffnet. Bis 1990 gab es 56 Auflagen und der Roman wurde in ca. 30 Sprachen übersetzt. Das Buch wurde zwei Mal innerhalb der DDR verfilmt (1960 und 1962), wobei der Autor an den Verfilmungen beteiligt war.

Verfilmung, 1962

Bruno Apitz (1900-1979) in Berlin, 1973. Photo: Klaus Morgenstern. ©SLUB / Deutsche Fotothek

7. Oktober 1949: Gründung der DDR

Am 7. Oktober 1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik (DDR) offiziell gegründet, was die Teilung Deutschlands in Ost und West markierte. Die DDR war ein sozialistischer Staat unter der Kontrolle der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und wurde von der Sowjetunion unterstützt. In ihrer Verfassung, die im März 1949 entworfen wurde, bezeichnete sich die DDR als antifaschistische, sozialistische Republik und erklärte, den Faschismus und Nationalsozialismus endgültig überwunden zu haben. Diese antifaschistische Ideologie war ein zentraler Bestandteil der Legitimation des neuen Staates, der sich als moralisch überlegen gegenüber der kapitalistischen Bundesrepublik Deutschland im Westen präsentierte. Mit ihrer Gründung wurde die Teilung Deutschlands im Kalten Krieg endgültig festgelegt. Die DDR bestand bis zum 3. Oktober 1990, als sie nach dem Fall des Kommunismus in Osteuropa aufgelöst und mit Westdeutschland wiedervereinigt wurde.

Analyse So wird in der Verfassung von 1949 explizit gesagt, dass Freiheiten und Rechte eingeschränkt werden können, „um den Nationalsozialismus und Militarismus zu überwinden und das von ihnen verschuldete Unrecht wiedergutzumachen.“. Ferner wird in der Verfassung von 1949 postuliert, dass Betriebe von Kriegsverbrecher und aktiven Nationalsozialisten enteignet seien und ihr Eigentum in das Volkseigentum übergehe. Spannend ist hier, dass der Prozess der Enteignung als ein bereits abgeschlossener Prozess beschrieben wird und hinzugefügt wird das aktive Nationalsozialisten enteignet wurden (Offen bleibt was das genau heißen soll). Als letztes wird beim Strafrecht Bezug auf den Nationalsozialismus genommen. Maßnahmen zur „Überwindung des Nazismus, des Faschismus“ können demnach auch rückwirkend das Strafgesetz anwenden, um „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zu ahnden. In der Prämbel von 1968 wird betont, dass die DDR „fest gegründet {sei} auf den Errungenschaften der antifaschistisch - demokratischen und der sozialistischen Umwälzung“. Es sind also deutliche Verweise auf die antifaschiste Haltung der DDR und die konsequente Verfolgung von allen nationalsozialistischen Taten und Gedanken ersichtlich.

Gesetzestext: X Übergangs- und Schlussbestimmungen, Art.144 Die verfassungsmäßigen Freiheiten und Rechte können nicht den Bestimmungen entgegengehalten werden, die ergangen sind und noch ergehen werden, um den Nationalsozialismus und Militarismus zu überwinden und das von ihnen verschuldete Unrecht wiedergutzumachen. II, Wirtschaftsordnung, Art.24 Die Betriebe der Kriegsverbrecher und aktiven Nationalsozialisten sind enteignet und gehen in Volkseigentum über. VIII, Rechtspflege, Art. 135. Strafen dürfen nur verhängt werden, wenn sie zur Zeit der Tat gesetzlich angedroht sind. Kein Strafgesetz hat rückwirkende Kraft. Ausgenommen sind Maßnahmen und die Anwendung von Bestimmungen, die zur Überwindung des Nazismus, des Faschismus und des Militarismus getroffen werden oder die zur Ahndung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit notwendig sind.

Dies war eine Herausforderung beim Führen der Interviews, da die meisten unserer Gesprächspartner:innen sich auch intellektuell und akademisch in den letzten Jahrzehnten mit der DDR auseinandergesetzt hatten. Dadurch erzählten uns die Interviewten teilweise mehr von ihrem Wissen über die DDR als von ihren subjektiven Erlebnissen und Erinnerungen aus der Zeit.

Der Gründungsmythos dient als Werkzeug, um einen gemeinsamen, oft heroischen Ursprung für Rituale, Gemeinschaften oder sogar ganze Nationen zu schaffen. Beispiel: Die Abstammung des römischen Volkes vom großen Helden Enea, einem Überlebenden der mythischen Zerstörung von Troja (Werk: Die Aeneide von Virgil)

Beispiel: Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Mythos der Dolchstoßlegende oder "Legende des Hinterhalts" verbreitet. Dieser Mythos behauptete, dass Deutschland nicht auf dem Schlachtfeld besiegt wurde, sondern von internen Elementen - Sozialisten, Kommunisten und Juden - verraten worden war, die der Armee "in den Rücken gestochen" hatten. Der Mythos wurde von Vertretern des Militärs und nationalistischen Gruppen verbreitet und wurde zu einem zentralen Element der NS-Propaganda, um den Groll gegen den Vertrag von Versailles zu rechtfertigen, interne Gruppen anzuklagen und die Notwendigkeit einer "Reinigung" Deutschlands zu legitimieren.

Kapitulation und Gründung der SBZ

Im Mai 1945 kapitulierte Deutschland bedingungslos, womit der Zweite Weltkrieg in Europa endete. Das Land wurde von den Alliierten in vier Besatzungszonen aufgeteilt: eine sowjetische Zone im Osten sowie britische, amerikanische und französische Zonen im Westen. Die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) umfasste die Gebiete östlich der Elbe und hatte Berlin als geteilte Hauptstadt. In der SBZ begann die Sowjetunion sofort mit der Umsetzung tiefgreifender Veränderungen, darunter die Enteignung von Großgrundbesitzern, die Verstaatlichung von Industrien und die Förderung kommunistischer Ideologien. Während in den westlichen Zonen demokratische Strukturen aufgebaut wurden, setzte die Sowjetunion in der SBZ auf eine zentralisierte und sozialistische Verwaltung

Laufbahn: Hans Bentzien

  • Geburtsdatum und -ort: 1927 Greifswald
  • Beruf: Lehrer
  • Bezug zum NS-Regime: HJ, Reicharbeitsdienst, Soldat der Wehrmacht
  • Nachkriegszeit: Kriegsgefangenschaft und 1946 Parteibeitritt KPD (später SED)
  • Karriere SED: 1950-1953 Mitarbeiter der Kulturabteilung SED-Landesleitung Thüringen und SED-Bezirksleitung Gera
  • 1953: kommissarischer Erster Sekretär Kreisleitung Jena-Stadt
  • 1954: Sekretär für Kultur und Volksbildung SED-Bezirksleitung Gera
  • 1958: Studienabschluss: Parteihochschule der Kommunistischen Partei der Sowjetunion in Moskau und Rückkehr zur vorherigen Stelle (neuerdings in Halle)
  • 1961 - 1965: Kulturminister der DDR

Vergangenheitsbezug

Der politische Mythos ist meist eher mit historischen Fakten verbunden, während die Utopie oder die Ideologie mehr zukunftsorientiert ausgelegt werden.

Analyse Es wird behauptet die DDR hätte „getreu den Interessen des deutschen Volkes und der internationalen Verpflichtung aller Deutschen auf ihrem Gebiet den deutschen Militarismus und Nazismus ausgerottet“. Damit wird suggeriert, dass es keine nationalsozialistischen Gesinnungen oder offene Schuldfragen auf dem Boden der DDR gebe. Darüberhinaus gibt es keine Ausnahmereglung mehr für eine rückwirkendes Strafgesetz bei nationalsozialistischen Verbrechen. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die einzige Wahrheit zu diesem Thema eben darin besteht, dass aller Nationalsozialismus ausgerottet sei. Folglich braucht man dann auch keine Ausnahmen mehr im Strafrecht, da keine weitere Entnazifizierung vorgesehen ist.

Gesetzestext: Abschnitt 1, Kapitel 1 Politische Grundlagen, Artikel 6 (1) Die Deutsche Demokratische Republik hat getreu den Interessen des deutschen Volkes und der internationalen Verpflichtung aller Deutschen auf ihrem Gebiet den deutschen Militarismus und Nazismus ausgerottet und betreibt eine dem Frieden und dem Sozialismus, der Völkerverständigung und der Sicherheit dienende Außenpolitik. Abschnitt IV, Sozialistische Gesetzlichkeit und Rechtspflege, Art. 99 (2) Eine Tat zieht strafrechtliche Verantwortlichkeit nur nach sich, wenn diese zur Zeit der Begehung der Tat gesetzlich festgelegt ist, wenn der Täter schuldhaft gehandelt hat und die Schuld zweifelsfrei nachgewiesen ist. Strafgesetze haben keine rückwirkende Kraft.

“Befehl des Volkskommissars für innere Angelegenheiten der UdSSR Nr. 00315 vom 18. April 1945 (...) BEFEHLE ICH: 1. Von den Frontbevollmächtigten des NKWD der UdSSR sind künftig beim Vorrücken der Truppen der Roten Armee auf das vom Feind befreite Territorium bei der Durchführung tschekistischer Maßnahmen zur Säuberung des Hinterlandes der kämpfenden Truppen der Roten Armee von feindlichen Elementen zu verhaften: (...) d) aktive Mitglieder der nationalsozialistischen Partei; e) Führer der faschistischen Jugendorganisationen auf Gebiets-, Stadt- und Kreisebene; f) Angehörige der Gestapo, des „SD“ und sonstiger deutscher Terrororgane; g) Leiter von Gebiets-, Stadt- und Kreisverwaltungen sowie Zeitungs- und Zeitschriftenredakteure und Autoren antisowjetischer Veröffentlichungen 2. Personen, die nachweislich terroristische und Diversionshandlungen begangen haben, sind entsprechend dem Befehl des NKWD der UdSSR Nr. 0061 vom 6. Februar 1945 an Ort und Stelle zu liquidieren. 3. Militärische und politische Offiziers- und Mannschaftsdienstgrade der feindlichen Armee sowie der militärisch strukturierten Organisationen „Volkssturm“, „SS“, „SA“ wie auch das Personal von Gefängnissen, Konzentrationslagern, Militärkommandanturen, der Militärstaatsanwaltschaften und Gerichten sind, wie festgelegt, in die Kriegsgefangenenlager des NKWD einzuweisen. 4. […] 5. […] 6. Um die Verhafteten an Ort und Stelle unterzubringen, haben die Frontbevollmächtigten des NKWD der UdSSR die nötige Anzahl von Gefängnissen und Lagern einzurichten. Zur Bewachung dieser Gefängnisse und Lager sind die den Frontbevollmächtigten unterstellten Wachtruppen des NKWD der UdSSR einzusetzen […] 7. Die Frontbevollmächtigten des NKWD der UdSSR haben die Unterlagen aller Inhaftierten, die sich in ihrem Gewahrsam befinden, durchzusehen. Invaliden, Kranke, Arbeitsunfähige, Alte über 60 uns Frauen, die nicht unter die Bestimmungen nach Pkt. 1 des vorliegenden Befehls fallen, sind freizulassen.”

Was sagen uns die Zeitzeugenberichte?

Alle interviewten Zeitzeugen kamen schon lange nach der Entnazifizierung und der Entstehung der DDR zur Welt. Ihre Aussagen lassen sich also nicht mit der Sichtweise von Personen vergleichen, die diesen Wandel unmittelbar erlebt haben. Das heißt auch, dass Ihre Perspektiven deshalb stärker durch späteres Wissen und gesellschaftliche Entwicklungen beeinflusst werden. Ein typisches Problem bei Zeitzeugenberichten wird hier deutlich: Aktuelles Wissen überlagert eigentliche Erinnerungen. Ein weiterer Aspekt ist, dass es sich bei den Interviewten ausschließlich um Personen mit einem abgeschlossenen Universitätsstudium handelt. Diese gemeinsame Bildungsgrundlage beeinflusst ihre Perspektive und unterscheidet sie von Menschen mit anderen Bildungsabschlüssen. Gleichzeitig zeigen die Aussagen interessante Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die von persönlichen Hintergründen, familiären Verhältnissen und dem geographischen Unterschied zwischen Stsdt und Land geprägt sind. Zusammenfassend ermöglichen die Interviews trotz der genannten Einschränkungen einen besonderen Einblick in die Themen Entnazifizierung und Antifaschismus in der DDR, der nur mit wissenschaftlicher Literatur nicht möglich gewesen wäre.

Übertreibung und Stereotypisierung

Um einen politischen Mythos möglischst effektiv zu verbreiten und im kollektiven Gedächtnis festzusetzen, werden die betreffenden Fakten oft übertrieben und auf bereits bekannte Stereotype zurückgeführt.

Erste Säuberungen und Speziallager

Tatsächlich begann in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die Entnazifizierung schon vor der Potsdamer Konferenz. Hierfür war das sogenannte Volkskommissariat für innere Angelegenheiten der UdSSR (NKWD) verantwortlich. Dieses Kommissariat kann als Innenministerium der Sowjetunion verstanden werden. Einen wichtigen Schritt der Entnazifizierungsstrategie des NKWD stellt der NKWD-Befehl Nr. 00315 vom 18. April 1945 dar. Der Befehl bildet die Grundlage für den Aufbau von Internierungslagern zur Gefangenschaft und Bestrafung der Unterstützer des Nazi-Regimes. Außerdem gibt er uns erste Anhaltspunkte über die Erkennung und Klassifizierung der Verbrecher, die im späteren Entnazifizierungsprozess wichtig werden. Dazu werden erste verwaltungstechnische Aspekte der späteren Speziallager gesetzt.

NKWD-Befehl Nr. 00315

Beispiel: Joseph Stalin als “ Vater der Völker “: Kommt von der Idee, dass er für das Wohl aller Bürger der Sowjetunion, unabhängig von ihrer Nationalität, sorgte. Durch diesen Mythos wurde Stalin als nahbare, fast familiäre Figur idealisiert, die die Einheit und Vielfalt des Landes beschützte.

Simplizistische Ansatz

Politische Mythen basieren auf extrem vereinfachten Darstellungen und Wahrnehmungen einer Person und ihrer Handlungen oder auf ein bestimmtes Ereignis. Dieser Prozess der Vereinfachung ist ein integraler und grundlegender Teil der Absicht, eine spezifische Erzählung zu vermitteln, die für die "Sache" nützlich ist. Darüber hinaus ist die Einfachheit der Berichterstattung für die Verbreitung des Mythos nützlich: Damit ein Mythos erfolgreich wird, muss er tief in das kollektive Gedächtnis eines Volkes eingebettet sein.

Ehemalige NSDAP-Mitglieder in der SED

Es erscheint zunächst logisch, die SED als Hüterin des antifaschistischen Erbes zu betrachten. Allerdings setzte die Partei diesen Anspruch nicht konsequent um, was bereits die Aufhebung des Unvereinbarkeitsbeschlusses durch das Zentralsekretariat der SED im Jahr 1946 zeigt. Der Beschluss vom 30. Oktober 1945 untersagte ursprünglich die Aufnahme ehemaliger NSDAP-Mitglieder in die SED. Die Aufhebung dieses Beschlusses markierte jedoch lediglich den Beginn der Entscheidung, ehemaligen Nationalsozialisten den Eintritt in die Partei zu ermöglichen und so den Weg für eine politische Karriere frei zu machen.

Mehr Infos

Was bedeutet der Befehl Nr. 201 für die SBZ?

Nach den politischen Säuberungen seit 1945 kann der Befehl Nr. 201 im Jahr 1947 als Weichenstellung zur Rehabilitierung nomineller NSDAP-Mitglieder und Aktivisten verstanden werden. Die Wiederherstellung ihrer politischen Rechte und das Ende der Verfolgung ermöglichten es diesen Personen, wieder in die Gesellschaft integriert zu werden und aktiv zu ihrem Wiederaufbau beizutragen. Die “Aburteilung der Nazi- und Kriegsverbrechen ging mit wenigen Ausnahmen auf die deutschen Gerichte über”, allerdings mit der Maßgabe, die Verfahren zügig abzuschließen. Ein Zusammenhang zwischen dem Befehl Nr. 201 und dem Beschluss des sowjetischen Ministerrates vom Juni 1948, der die Entlassung von rund 27.750 Häftlingen vorsieht, kann vermutet werden. Dabei handelt es sich um kleinere Funktionäre der NSDAP und der Hitlerjugend, einfache Mitglieder der SA und SS, niedrigere Dienstränge der Polizei, der Gestapo und der Justiz sowie Angehörige des Volkssturms. Alle Aspekte des Befehls Nr. 201 legen nahe, dass die Führung der SBZ auf eine rasche Beendigung der Entnazifizierung in ihrer Besatzungszone hinarbeitete, um den Aufbau eines neuen Staates zu ermöglichen. Die Entnazifizierung in der SBZ galt im März 1948 offiziell als abgeschlossen.

Wörtliche Definition

Antifaschismus bezeichnet: “die Gesamtheit aller gegen den 'Faschismus' gerichteten oppositionellen Werte, Einstellungen, Handlungen, programmatischen Zielsetzungen, und dies in internationalem Maßstab” . Die Idee des Antifaschismus existierte schon vor dem Aufstieg des deutschen Faschismus. Sie kam in den zwanziger Jahren als politische Kampf- und Kampagnentaktik auf und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Spanien, Italien und Ungarn.

Methoden der Inszenierung

Die DDR inszinierte sich immer wieder und auf verschiedene Weisen als antifaschstischen Staat. Besonders lohnend, ist hierbei der Blick in politische Reden und Lehrbücher aus der Zeit. Wir laden Sie ein auf eine kleine Zeitreise...

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Übertreibung und Stereotypisierung

Um einen politischen Mythos möglischst effektiv zu verbreiten und im kollektiven Gedächtnis festzusetzen, werden die betreffenden Fakten oft übertrieben und auf bereits bekannte Stereotype zurückgeführt.Darüber hinaus ist die Einfachheit der Berichterstattung für die Verbreitung des Mythos nützlich: Damit ein Mythos erfolgreich wird, muss er tief in das kollektive Gedächtnis eines Volkes eingebettet sein.

Potsdamer Konferenz

Grundlagen der Entnazifizierung

Die Potsdamer Konferenz war ein Treffen der drei Siegermächte USA, Großbritannien und Sowjetunion, die im Sommer 1945 in Potsdam stattfand. Auf der Konferenz wurde das weitere Vorgehen im besetzten Deutschland nach Ende des zweiten Weltkrieges beraten. Mit dem sogenannten Potsdamer Abkommen wurden unter anderem grundlegende Bestimmungen zur Entnazifizierung Deutschlands festgelegt, die als Fortführung der Vereinbarungen der Jalta-Konferenz im Frühjahr 1945 gelten.

Hier treten besonders die Direktiven Nr. 24 und Nr. 28 des Abkommens hervor:

Direktive Nr. 24

Direktive Nr. 36

Unmöglichkeit der Überprüfung

Die kommunizierten politisch-sozialen Ereignisse werden nicht nach empirisch nachprüfbaren Fakten interpretiert.

Hier finden Sie weitere Infos zu dem Thema:

Um das Fenster wieder zu schließen, drücken Sie auf das schwarze Kreuz in der rechten oberen Ecke.

Änderung der Prioritäten und Entnazifizierung als beendet deklariert

Bis zum Frühjahr 1947 hatte die Sowjetische Militäradministration (SMAD) in der SBZ etwa 520.000 Personen aufgrund ihrer Verbindungen zum Nationalsozialismus aus öffentlichen Ämtern, der Industrie und dem Bildungswesen entfernt. Diese Maßnahmen unterstrichen die umfassende und radikale Ausrichtung der Entnazifizierung in der sowjetischen Besatzungszone. Doch Mitte 1947 begann die SMAD, die Entnazifizierung zu lockern, da die politische und wirtschaftliche Stabilisierung der Zone Priorität erhielt. Personen mit geringeren Verbindungen zur NSDAP durften wieder arbeiten, sofern sie für den wirtschaftlichen Wiederaufbau als nützlich galten.

1947 und 1948 verlagerte sich der Fokus zunehmend auf die politische Konsolidierung unter der Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Viele ehemalige Nationalsozialisten wurden unter der Bedingung der Loyalität zum neuen sozialistischen Staat reintegriert und als „politisch umerzogen" betrachtet. Anfang 1948 erklärten die SED und die sowjetischen Behörden die Entnazifizierung in der SBZ offiziell für abgeschlossen. Im Mai 1948 betonte die SBZ, im Gegensatz zu den westlichen Besatzungszonen, die erfolgreiche Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit und konzentrierte sich darauf, den neuen Staat als „antifaschistisch" zu definieren. Diese Darstellung wurde ein zentraler Baustein der späteren Ideologie der DDR.

Sinnkonstruktion Antifaschismus

Antifaschismus der Nachkriegszeit

Im Gegensatz zum Antifaschismus der Vorkriegszeit konnte sich der Antifaschismus der Nachkriegsjahre auf das Ende des faschistischen Nazi-Deutschlands stützen. Gleichzeitig wurde dieses Paradigma durch die staatliche Macht getragen, die der vom Krieg erschütterten Bevölkerung Orientierung bot. Diese Kombination aus historischer Legitimation und staatlicher Unterstützung verlieh dem Antifaschismus die Kraft, zu einem zentralen Pfeiler beim Aufbau der DDR zu werden (siehe Gründungsmythos).

Anhand dieser Strafvollzugskarte kann die politische Justiz und die Idee des Antifaschismus der jungen DDR verstanden werden. Sie ist exemplarisch für die 3.385 Verfahren, die im Zuge der Waldheimer Prozesse 1950 gegen angeblich faschistische Verbrecher geführt wurden. Besonders die Verurteilung hoher Nazi-Funktionaire wurde von der DDR-Presse thematisiert und durch eine öffentliche Inszenierung der Prozesse politisch instrumentalisiert. In Wirklichkeit wurden in den Waldheimer Prozessen hauptsächlich einfache Parteimitglieder oder Mitglieder von faschistischen Organisationen verurteilt, ohne einen direkten Bezug zur individuellen Tatbeteiligung. Das kann man auch auf der Strafvollzugskarte von Walter Jurisch sehen. Seine Straftat besteht darin, der Hitlerjugend und der Organisation Werwolf angehört zu haben. Präzise Verbrechen können Jurisch laut des Urteils aber nicht nachgewiesen werden. Außerdem stehen diese Prozesse im klaren Widerspruch zum Befehl Nr. 201, der die Wiedereingliederung nomineller Mitglieder von nationalsozialistischen Organisationen anordnet. Auch Walter Ulbricht erkannte 1949 die “verantwortliche Arbeit” dieser wieder eingegliederten ehemaligen Parteimitglieder in die ostdeutsche Gesellschaft an. Dieses Paradox lässt vermuten, dass die Waldheimer Prozesse hauptsächlich den Ansporn und die Legitimierung des neuen “Antifaschismus”-Begriffs zum Ziel hatten. Gleichzeitig symbolisierten die Waldheimer Prozesse den Abschluss der “antifaschistischen Aufräumarbeit” in der DDR.

Befehl Nr. 201

Der Befehl Nr. 201 der SMAD vom 16. August 1947 gibt neue Richtlinien zur Anwendung der Direktiven Nr.24 und Nr. 38 vor und leitet so eine Wende im Entnazifizierungsprozess der SBZ ein . Das Zentralverordnungsblatt Nr 18 der Deutschen Justizverwaltung der sowjetischen Besatzungszone veröffentlicht den Befehl am 9. Oktober 1947.

Folgende Zusammenfassung kann aus dem Originaldokument entnommen werden:

Befehl Nr. 201