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Hallimasch

Bündner Woche

Created on September 30, 2024

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Der Hallimasch im Kreislauf

Absterbe-Nester und Radius

Grundsätzlich können fast alle Strauch- und Baumarten vom Hallimasch befallen werden. Im Schweizerischen Nationalpark lebt ein Exemplar, das sich über rund 500 Meter Breite und 800 Meter Länge erstreckt – ein Gebiet von etwa 35 Hektaren. Laut Expertinnen und Experten ist dieser Riesenhallimasch vermutlich nicht nur der grösste Pilz der Schweiz, sondern von ganz Europa. Noch dazu ist er mit mindestens 1000 Jahren auch sehr alt.

In seiner parasitischen Form zerstört der Pilz die Wachstumsschicht in der Rinde, das Kambium, wodurch die befallenen Bäume absterben. So bilden sich sogenannte Absterbe-Nester, die man an vielen toten Bäumen erkennen kann.

Das Gebiet des riesigen Hallimaschexemplars im Schweizerischen Nationalpark.

Den Hallimasch essen

Seinen Namen verdankt der Hallimasch dem Umstand, dass er, wenn man ihn roh verspeist, den Stuhlgang beschleunigt. Dies machten sich offenbar schon die Römer nach ausgedehnten Gelagen zunutze. Der deutsche Begriff nimmt diese Wirkung auf, denn das Wort Hallimasch kommt von «Heil im Arsch». Alle Hallimasch-Arten sind roh grundsätzlich ungeniessbar. Der Honiggelbe Hallimasch, der besonders an Laubholz ausserhalb des Waldes gefunden wird und bei Zimmertemperatur einen aufdringlichen Geruch entwickelt (Geruchsprobe), sollte auch im gekochten Zustand nicht gegessen werden. Alle anderen Hallimasch-Arten, auch der schwarze Hallmasch, sind blanchiert geniessbar. Das Wasser sollte aber in jedem Fall weggeschüttet werden.

Die Verwendung von befallenem Holz

Aus ökologischer Sicht ist der Hallimasch ein Nützling, der zur normalen Mikroflora im Wald beiträgt. In dieser Funktion ist er beteiligt am Abbau toter Holzmasse und spielt eine wichtige Rolle als Verjüngungsfaktor im natürlichen Waldökosystem. Aus wirtschaftlicher Sicht verursacht der Hallimasch als Wurzel- und Stammfäuleerreger aber erhebliche Qualitäts- und Stabilitätseinbussen und kann zum Absterben stehender Bäume führen: - Besonders schwerwiegend sind Hallimasch-Schäden in Kulturen und Jungwüchsen von Nadelhölzern. - Kernfaule Bäume ohne Kambiumschäden leben weiter, sind aber stärker gefährdet durch Windwurf und Sturmbrüche; hier führt der Hallimaschbefall zu einer erheblichen Holzentwertung. - Hat der Pilz den Baum abgetötet, ist das Holz aus technologischer Sicht oft noch problemlos verwertbar. - Bei der Holzlagerung, insbesondere der Nasslagerung, kann der Hallimasch erhebliche wirtschaftliche Einbussen bewirken.

Pilze im Ökosystem Wald

Pilze erfüllen wichtige Funktionen in einem Ökosystem wie dem Wald. Denn sie zersetzen totes organisches Material wie Holz, Laub oder Nadeln und halten so den Nährstoffkreislauf in Gang. Im Wurzelraum unterstützen sie zudem die meisten höheren Pflanzen bei der Wasser- und Nährstoffaufnahme. Pilze beeinflussen aber nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere auf verschiedene Art und Weise. Einige Pilze ernähren sich von Lebewesen. Sie sind sogenannte Parasiten. Im Schweizerischen Nationalpark gibt es davon vor allem zwei Arten: Der Hallimasch (Armillaria) und der Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum). Beide befallen die Wurzeln der Bäume und zersetzen diese.

Der Schuhbändel-Pilz

Als Besonderheit bildet der Hallimasch wurzelähnliche Stränge (Rhizomorphen) und weisse Myzelmatten aus, die unterschiedliche Funktion haben: 1. Die schnurförmigen Bodenrhizomorphen mit einer braunen bis schwarzen Rinde wachsen unterirdisch. Es sind ein bis fünf Millimeter dicke vielfach verzweigte Stränge. Diesen wachsen etwa ein bis zwei Meter pro Jahr. An durchtrennten Rhizomorphen bilden sich bis zu 20 neue Stränge. Diese Fäden, die an Schuhbändel erinnern, dienen dem Pilz als Ausbreitungsorgane sowie als Wasser- und Nährstoffleitungen. 2. Die Myzelmatten breiten sich in Form einer dünnen, grossflächigen Schicht zwischen Rinde und Holz aus und töten die Rinde ab. Sie sind nach Ablösen der Rinde gut sichtbar und damit das wichtigste Erkennungsmerkmal für eine Hallimasch-Infektion. Von den Myzelmatten aus dringt der Pilz in das Holz ein und baut es ab.

Das Leuchten der Pilze

Das Hallimaschmyzel besitzt die Fähigkeit, zu leuchten. Das nennt man Biolumineszenz. Am natürlichen Standort kann das Leuchten in der Regel bei feuchter Witterung und besonders intensiv bei Temperaturen von etwa 18 bis 20 Grad Celsius und völliger Dunkelheit an frisch verletzten, befallenen Stämmen oder Stöcken wahrgenommen werden. Im Myzel des Hallimasch ist ein chemischer Stoff enthalten, der Luciferin heisst. Sobald der Pilz in das frische Holz eindringt, reagiert das Luciferin mit dem Sauerstoff aus der Luft. Diese chemische Reaktion verursacht das Leuchten. Auch Glühwürmchen und viele Tiere der Tiefsee erzeugen auf diese Weise Licht, um Partner oder Beutetiere anzulocken. Aus welchem Grund der Hallimasch Licht produziert, ist nicht bekannt.

Auch Glühürmchen haben die Fähigkeit der Biolumineszenz.

Leben im Totholz

Totholz ist ein wichtiger Lebensraum für Insekten. Weil es in den Wirtschaftswäldern deutlich weniger totes Holz gibt als im ungenutzten Wald, sind die Populationen zahlreicher Alt- und Totholzspezialisten stark zurückgegangen. Die Käfer sind nicht nur generell die artenreichste Insektengruppe, sondern auch die vielfältigste im Totholz. In Mitteleuropa sind 1340 verschiedene Arten in irgendeiner Phase auf Alt- und Totholz angewiesen. Ein besonders schöner, sehr seltener Laubholz-Bockkäfer, der Alpenbock (Rosalia alpina). Er entwickelt sich in alten, verpilzten Buchenstämmen. Der Alpenbock ist in ganz Europa geschützt und gilt in den Ländern, wo er noch vorkommt, als vom Aussterben bedroht. Eine der grössten Populationen in der Schweiz lebt im unteren Prättigau, wobei vereinzelte Käfer bis ins Gebiet des Walensees gefunden werden.