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Jugend und Politik im Austausch
Beteiligen, Zukunft gestalten, Chancen eröffnen
Zukunft gestalten, Chancen eröffnen
Wie Chancen benachteiligter junger Menschen verbessert werden können, haben am 4. Juli 2024 rund 30 junge Menschen im Alter von 14 bis 28 Jahren mit Verantwortlichen aus Politik, Ver-waltung, Zivilgesellschaft und Wissen-schaft erarbeitet und diskutiert. Zum Dialogforum „Jugend und Politik im Austausch – Beteiligen, Zukunft gestalten, Chancen eröffnen“ hatte die Bertelsmann Stiftung, das Deutsche Jugendinstitut und Save the Children nach Berlin eingeladen.
Jugend beteiligen
Die Lösungsansätze für den Abbau sozialer Ungleichheiten und eine chancengerechte Zukunft kamen von den Jugendlichen selbst. Sie erarbeiteten diese zunächst in Design-Thinking-Workshops mit Vertreter:innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Im Anschluss diskutierten sie ihre Vorschläge mit Politiker:innen in den Workshops, im gemeinsamen Gallery-Walk und im Rahmen eines Fishbowl-Formats. Moderiert wurde der Tag von jungen Menschen des SV Bildungswerks.
Gesundheit
Bildung
Offene Themen
Armut und sozialeAusgrenzung
Gesundheit
Design-Thinking-Workshops mit Jugendlichen, Zivilgesellschaft und Politik
Gesundheit
Gesundes Aufwachsen ist kein Privileg, sondern ein grundlegendes Kinderrecht. Dennoch sind gesundheitliche Chancen in Deutschland nicht gleich verteilt. Wenn sich Familien keine gesunde Ernährung leisten können, gefährdet das die Zukunft ihrer Kinder. Spätestens seit der Pandemie ist mentale Gesundheit eines der zentralen Themen der jungen Generation. Der Mangel an Therapieplätzen und der erschwerte Zugang zu psychologischer Unterstützung ohne die Zustimmung der Eltern sind nur einige der Hürden, die es zu überwinden gilt. Bildung, Einkommen und Herkunft entscheiden über die gesundheitliche Versorgung. Das medizinische System bleibt für viele junge Menschen eine elitäre Festung. Doch wie kann der Zugang inklusiver werden? Was kann die Politik tun, um junge Menschen in ihren gesundheitlichen Anliegen ernst zu nehmen? Unser Workshop diente als interaktive Bühne, um diese und weitere drängende Fragen zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Die Jugendlichen berichten von hohem Erwartungsdruck in der Schule, wobei gesellschaftliche Ursachen häufig ignoriert und mentaler Druck als individuelles Problem abgetan wird. Auch Ausgrenzung und ungleiche Förder-möglichkeiten bleiben meist unberücksichtigt. Die Corona-Pandemie und ihre Folgen haben junge Menschen stark belastet. Viele fühlen sich dabei allein gelassen und nicht gehört. Berichtet wird von Diskriminierungen und fehlenden Zugängen. Das Gesundheitssystem wird als „überlastet“ wahrgenommen: gestresstes Personal, lange Wartezeiten, zu wenig Angebote zur Prävention und frühe Hilfen.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Grundsätzlich fehle es an einer „ausreichenden Basisversorgung“, genauso an Anlaufstellen und niedrigschwelligen Angeboten, um über mentale Gesundheit und Belastungen zu sprechen.Um das zu verändern, brauche es beispielsweise mehr Schulsozialarbeit, Mental Health Coaches und eine bessere Verfügbarkeit von Therapieplätzen, gerade für Kinder und Jugendliche. Die medizinische Ausbildung müsse sich ändern und das Gesundheitssystem diverser werden, um geschlecht- licher Vielfalt gerecht zu werden. Ein Lösungsvorschlag: leicht zugängliche Informationen in verschiedenen Sprachen bereitstellen.
„Ja, ich bin anders ..., aber es ist doch gut, anders zu sein.“ (Jugendliche:r)
"Es fehlt einfach ein Dialog zwischen den Betroffenen und Entscheider:innen und selbst wenn dieser stattfindet, wird er von den Entscheider:innen meistens mit Ignoranz begegnet." (Jugendliche:r)
Stimmen
“Soziale Medien wirken deswegen negativ auf die mentale Gesundheit, weil alle schlechten Nachrichten auf einmal näher rücken.” (Jugendliche:r)
„Aufstieg wird schwieriger, Abstieg wird leichter.“ (Jugendliche:r)
Bildung
Design-Thinking-Workshops mit Jugendlichen, Zivilgesellschaft und Politik
Bildung
Bildung, in all ihren Facetten, spielt eine bedeutende Rolle in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Im Rahmen des Dialog-forums, das die übergeordneten Themen Chancengerechtigkeit, soziale Ungleichheit und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in den Blick nahm, hatte Bildung daher einen zentralen Stellenwert. Bereits bei der gemeinsamen Ausrichtung und Vorbereitung des Dialogforums wurde Bildungsgerechtigkeit als ein wichtiges Diskursfeld von Jugendlichen selbst eingebracht: „Auf welche Schule ich gehe, entscheidet meine ganze Zukunft!“ Daher wurde ein Diskussionsraum eröffnet, der einen (Erfahrungs-)Austausch rund um Bildungswege und -chancen sowie ein gerechtes und inklusives Schulsystem ermöglichte. Inwiefern Bildung ein Schlüssel für mehr Chancengerechtigkeit darstellt und welcher Stellenwert Bildung im Leben der beteiligten Jugendlichen selbst beigemessen wird, darüber wurde gemeinsam diskutiert.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Das Bildungssystem in Deutschland wird als zu starr beschrieben. Gleichzeitig gebe es spürbare Unterschiede in der Umsetzung der Lehrpläne – gerade zwischen Stadt und Land. Föderalismus trägt in der Wahrnehmung junger Menschen zu einer wachsenden Ungleichheit bei. Auf individuelle Stärken und Schwächen junger Menschen werde nicht eingegangen. Zudem fehle es an sprachlicher Vielfalt. Wer weniger gut Deutsch spreche, erfahre oft Diskriminierung. Die Lebenswelt junger Menschen bleibe inhaltlich meist unberücksichtigt: Themen wie KI und Social Media spielen im Unterricht kaum eine Rolle.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Schüler:innen sprechen von großem mentalen Druck. Um diesen abzubauen, brauche es Räume und passende Unterstützungsstrukturen, auch kostenlose AGs, Nach-hilfe und außerschulische Angebote – allen voran im Bereich der politischen Bildung. Längeres gemeinsames Lernen wird als Lösung beschrieben, um Chancengleichheit herzustellen und Spaltung abzubauen. Es sollten Stipendienprogramme aufgesetzt werden, um allen jungen Menschen die gleichen Zugänge zu guter Bildung zu ermöglichen.
„Der Stundenplan in den Schulen ist voll, statt Raum für Selbstwirksamkeit zu schaffen!“ (Jugendliche:r)
Stimmen
„Wer mehr Geld hat, schafft es eher auf eine gute Schule! Das ist ungerecht und sollte nicht so sein!“ (Rebecca Gutwald, DEIN MÜNCHEN)
„Junge Menschen haben keine Zeit mehr und spüren ständig Druck. Somit wird es schwieriger, Inklusion auch zu leben.“ (Jugendliche:r)
„Es fehlt den Erwachsenen oft die Geduld und die Zeit, den Kindern und Jugendlichen zuzuhören“ (Jugendliche:r)
Armut und soziale Ausgrenzung
Design-Thinking-Workshops mit Jugendlichen, Zivilgesellschaft und Politik
Armut und soziale Ausgrenzung
Jedes fünfte Kind und jede:r vierte junge Erwachsene in Deutschland sind von Armut bedroht. Armut beschämt Kinder und Jugendliche. Sie bedeutet nicht nur monetäre Einschränkungen, sondern sie begrenzt darüber hinaus auch nachweislich die gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen im Hier und Jetzt. Armut geht mit sozialer Ausgrenzung und Benachteiligungen in fast allen Lebensbereichen einher, die mitunter das ganze Leben prägen und nachwirken. Im Dialogforum ging es darum, was Armut konkret für Kinder und Jugendliche bedeutet und wie die damit einhergehenden sozialen Ungleichheiten abgebaut werden können. Gemeinsam wurde überlegt und diskutiert, was politisch getan werden kann, damit alle Kinder und Jugendlichen bessere Startchancen für ihren Lebensweg haben. Denn um die multiplen Herausforderungen von Armut und sozialer Ausgrenzung noch besser zu benennen und abzubauen, ist es elementar, dass Kinder und Jugendliche selbst aus ihrer Lebenswelt berichten und ihre Bedarfe benennen.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Der Leistungsgedanke prägt weiterhin die Gesellschaft. Armut hat außerdem unterschiedliche Dimensionen: mangelnde Selbstwirksamkeit, fehlende Teilhabe, finanzielle Armut oder schlechtere Chancen in der Bildung. Die von der Bundesregierung ursprünglich geplante Kindergrundsicherung wird als zu niedrig beschrieben. Gefordert wird eine Neuberechnung, die die tatsächlichen Bedarfe von Kindern und Jugendlichen abdeckt. Kinderarmut abschaffen, das müsse für politische Verantwortliche höchste Priorität haben. Dafür brauche es unter anderem Bildungsgerechtigkeit, offene Räume und Freizeitangebote für Jugendliche, ein kostenfreies Mittag- essen für Kinder oder auch einen kostenfreien ÖPNV.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Die Debatte um Armut und ihre Folgen wird aus Sicht junger Menschen stigmatisierend geführt. Kritisiert wird zudem eine fehlende Solidarität gegenüber Betroffenen. Als weiteres Problem wird benannt, dass Kinder zu wenig in Entscheidungen eingebunden werden und es gerade jungen Menschen an Interessenvertretungen fehle, um eigene Sichtweisen einzubringen.
„Armut ist, wenn man anders behandelt wird.“ (Jugendliche:r)
Stimmen
„Armut bedeutet für mich jede Form von Benachteiligung.“ (Jugendliche:r)
„Junge Menschen sind die Zukunft und wir sind nichts, wo gestutzt werden soll.“ (Jugendliche:r)
„Armutsprävention ist nicht verhandelbar.” (Christina Kruse, LVG Niedersachsen)
Offene Themen
Design-Thinking-Workshops mit Jugendlichen, Zivilgesellschaft und Politik
Offene Themen
Partizipation von Kindern und Jugendlichen braucht Zeit und Raum für ihre Themen. Sie müssen Inhalte, die ihnen wichtig sind, vorbringen können und darin ernst genommen werden. Nur so lässt sich erfahren, was junge Menschen aus ihrer Sicht brauchen. Neben den vorgegebenen inhaltlichen Schwerpunkten bot das Dialogforum daher in einem thematisch offenen Angebot die Gelegenheit, vor Ort zu entscheiden, welches Thema den Jugendlichen noch fehlt und besprochen werden sollte. In diesem vierten Workshop „Offene Themen“ fanden die Teilnehmenden im Austausch miteinander zu zwei Aspekten: politische Beteiligung und Diskriminierung. Gemeinsam diskutierten sie diesbezügliche Probleme und formulierten konkrete Forderungen, wie beispielsweise die Schaffung neuer Möglichkeiten von politischer Teilhabe für alle Menschen und den Abbau diskriminierender Strukturen.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Neben der etablierten Parteipolitik brauche es Möglichkeiten für jugendliches Engagement und auch passende Unterstützungsstrukturen, um selbst herausfinden zu können, wo und wie man sich einbringen und mitwirken kann.Kritisiert wird, dass Wahlprogramme meist nur für Menschen geschrieben sind, die sich ohnehin schon mit politischen Themen auseinandersetzen. Junge Menschen müssten zudem stärker online mit politischen Inhalten angesprochen werden.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Gefordert wird zudem eine größere Offenheit gegenüber gesellschaftlicher Vielfalt. Dafür müsse man einander (mehr) zuhören und außerdem positive Begegnungen schaffen. Gleichzeitig fehle es vielen Menschen und Gruppen an Zugängen und Machtpositionen.Es müsse darum gehen, nicht nur Integration zu fordern, sondern Strukturen zu ändern und Diversität zu fördern – etwa durch angepasste Lehrpläne, Vielfalt abbilden, und Sprachfähigkeiten als Ressource statt als Defizit zu sehen. In Zukunft brauche es eine größere Offenheit politisch Verantwortlicher für die Fragen, Themen, Sorgen und Probleme von Kindern und Jugendlichen.
Stimmen
„Bei allem braucht es mehr Inklusion von Jugendlichen!“ (Politiker:in)
„Ohne Menschen, die mich unterstützen und mir helfen, kann ich nicht teilhaben.“ (Jugendliche:r)
„Alle Sätze, die mit ‚Aber‘ beginnen, sind schlecht.“ (Jugendliche:r)
„Es wird immer erwartet, dass man es selbst schafft. Das geht aber oft nicht.“ (Jugendliche:r)
Gallery-Walk
Nach der Gruppenarbeit gab es im Rahmen eines Gallery-Walks einen Austausch zu den Ergebnissen und Themen der Design-Thinking-Workshops.
Fishbowl
Am Ende der Veranstaltung wurden ausgewählte Themen des Dialogforums in einem Fishbowl-Format besprochen.
Impressionen
Impressionen
Ohne Beteiligung kein Dialog!
Herausgeber
Bertelsmann Stiftung Carl-Bertelsmann-Str. 256 33311 Gütersloh Deutsches Jugendinstitut e.V. Nockherstraße 2 81541 München Save the Children Deutschland e.V. Seesener Straße 10-13 10709 Berlin Ansprechpartnerinnen Jessica Knauer knauer@dji.de Antje Funcke antje.funcke@bertelsmann-stiftung.de Nicole Trieloff Nicole.Trieloff@savethechildren.de Redaktion, Gestaltung und Satz
lilazwei GmbH hi@lilazwei.de Fotos Lena Mucha / Save the Children Copyright Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte sind den Herausgebern vorbehalten. Datum der Veröffentlichung Oktober 2024
Unser herzlicher Dank gilt allen Teilnehmenden am Dialogforum: Ohne Eure Beteiligung wäre ein solcher Austausch nicht möglich! Insbesondere möchten wir allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich vor Ort engagiert und eingebracht haben, unseren Dank aussprechen. Wir bedanken uns bei den Jugendlichen des JugendExpert:innenTeams der Bertelsmann Stiftung (JEx) und des ServiKiD-Jugend-Teams (DJI), das in Kooperation mit der gemeinnützigen Organisation DEIN MÜNCHEN eingerichtet wurde. Auch danken wir den Vertreter:innen der Bundesschülerkonferenz und den Jugendredakteur:innen von jup! Berlin. Ebenso geht unser Dank an zwei Jugendliche der Selbstvertretung junger Menschen mit Beeinträchtigungen des jumemb-Teams. Auch allen weiteren Jugendlichen, die hier nicht gesondert dargestellt sind, sei herzlich gedankt. Nicht zuletzt geht unser Dank an das junge Team des SV Bildungswerks für die Moderation der Veranstaltung und Durchführung der Workshops.
In einem Gallery Walk wurde vorgestellt, was in den Workshops inhaltlich erarbeitet worden ist. Zu den Forderungen kamen die Jugendlichen mit den anwesenden Politiker:innen in den Austausch. Mehr als 20 Vertreter:innen aus Politik und Verwaltung, darunter sechs Bundestagsabgeordnete nahmen am Dialogforum in Berlin teil.
„Ihr fragt euch sicherlich, was macht nun so ein Ministerium mit all diesen Punkten und Forderungen. Ich kann euch sagen, wir nehmen das mit, es landet in der Bundesregierung!“ (Jana Borkamp, Abteilungsleiterin Kinder und Jugend, BMFSFJ)
„Ob ich schwänze und Netflix schaue, oder ob ich mich politisch engagiere, ist doch derzeit egal. Es sind dieselben Fehlstunden. (…) Ich hätte gerne Bildungsurlaub als Schülerin gehabt, (…) um mich vielmehr ehrenamtlich zu engagieren.“ (Jugendliche:r)
Jugendinstitut
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Created on August 1, 2024
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Transcript
Adobe Stock, Olena, #578269925
Jugend und Politik im Austausch
Beteiligen, Zukunft gestalten, Chancen eröffnen
Zukunft gestalten, Chancen eröffnen
Wie Chancen benachteiligter junger Menschen verbessert werden können, haben am 4. Juli 2024 rund 30 junge Menschen im Alter von 14 bis 28 Jahren mit Verantwortlichen aus Politik, Ver-waltung, Zivilgesellschaft und Wissen-schaft erarbeitet und diskutiert. Zum Dialogforum „Jugend und Politik im Austausch – Beteiligen, Zukunft gestalten, Chancen eröffnen“ hatte die Bertelsmann Stiftung, das Deutsche Jugendinstitut und Save the Children nach Berlin eingeladen.
Jugend beteiligen
Die Lösungsansätze für den Abbau sozialer Ungleichheiten und eine chancengerechte Zukunft kamen von den Jugendlichen selbst. Sie erarbeiteten diese zunächst in Design-Thinking-Workshops mit Vertreter:innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Im Anschluss diskutierten sie ihre Vorschläge mit Politiker:innen in den Workshops, im gemeinsamen Gallery-Walk und im Rahmen eines Fishbowl-Formats. Moderiert wurde der Tag von jungen Menschen des SV Bildungswerks.
Gesundheit
Bildung
Offene Themen
Armut und sozialeAusgrenzung
Gesundheit
Design-Thinking-Workshops mit Jugendlichen, Zivilgesellschaft und Politik
Gesundheit
Gesundes Aufwachsen ist kein Privileg, sondern ein grundlegendes Kinderrecht. Dennoch sind gesundheitliche Chancen in Deutschland nicht gleich verteilt. Wenn sich Familien keine gesunde Ernährung leisten können, gefährdet das die Zukunft ihrer Kinder. Spätestens seit der Pandemie ist mentale Gesundheit eines der zentralen Themen der jungen Generation. Der Mangel an Therapieplätzen und der erschwerte Zugang zu psychologischer Unterstützung ohne die Zustimmung der Eltern sind nur einige der Hürden, die es zu überwinden gilt. Bildung, Einkommen und Herkunft entscheiden über die gesundheitliche Versorgung. Das medizinische System bleibt für viele junge Menschen eine elitäre Festung. Doch wie kann der Zugang inklusiver werden? Was kann die Politik tun, um junge Menschen in ihren gesundheitlichen Anliegen ernst zu nehmen? Unser Workshop diente als interaktive Bühne, um diese und weitere drängende Fragen zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Die Jugendlichen berichten von hohem Erwartungsdruck in der Schule, wobei gesellschaftliche Ursachen häufig ignoriert und mentaler Druck als individuelles Problem abgetan wird. Auch Ausgrenzung und ungleiche Förder-möglichkeiten bleiben meist unberücksichtigt. Die Corona-Pandemie und ihre Folgen haben junge Menschen stark belastet. Viele fühlen sich dabei allein gelassen und nicht gehört. Berichtet wird von Diskriminierungen und fehlenden Zugängen. Das Gesundheitssystem wird als „überlastet“ wahrgenommen: gestresstes Personal, lange Wartezeiten, zu wenig Angebote zur Prävention und frühe Hilfen.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Grundsätzlich fehle es an einer „ausreichenden Basisversorgung“, genauso an Anlaufstellen und niedrigschwelligen Angeboten, um über mentale Gesundheit und Belastungen zu sprechen.Um das zu verändern, brauche es beispielsweise mehr Schulsozialarbeit, Mental Health Coaches und eine bessere Verfügbarkeit von Therapieplätzen, gerade für Kinder und Jugendliche. Die medizinische Ausbildung müsse sich ändern und das Gesundheitssystem diverser werden, um geschlecht- licher Vielfalt gerecht zu werden. Ein Lösungsvorschlag: leicht zugängliche Informationen in verschiedenen Sprachen bereitstellen.
„Ja, ich bin anders ..., aber es ist doch gut, anders zu sein.“ (Jugendliche:r)
"Es fehlt einfach ein Dialog zwischen den Betroffenen und Entscheider:innen und selbst wenn dieser stattfindet, wird er von den Entscheider:innen meistens mit Ignoranz begegnet." (Jugendliche:r)
Stimmen
“Soziale Medien wirken deswegen negativ auf die mentale Gesundheit, weil alle schlechten Nachrichten auf einmal näher rücken.” (Jugendliche:r)
„Aufstieg wird schwieriger, Abstieg wird leichter.“ (Jugendliche:r)
Bildung
Design-Thinking-Workshops mit Jugendlichen, Zivilgesellschaft und Politik
Bildung
Bildung, in all ihren Facetten, spielt eine bedeutende Rolle in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Im Rahmen des Dialog-forums, das die übergeordneten Themen Chancengerechtigkeit, soziale Ungleichheit und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in den Blick nahm, hatte Bildung daher einen zentralen Stellenwert. Bereits bei der gemeinsamen Ausrichtung und Vorbereitung des Dialogforums wurde Bildungsgerechtigkeit als ein wichtiges Diskursfeld von Jugendlichen selbst eingebracht: „Auf welche Schule ich gehe, entscheidet meine ganze Zukunft!“ Daher wurde ein Diskussionsraum eröffnet, der einen (Erfahrungs-)Austausch rund um Bildungswege und -chancen sowie ein gerechtes und inklusives Schulsystem ermöglichte. Inwiefern Bildung ein Schlüssel für mehr Chancengerechtigkeit darstellt und welcher Stellenwert Bildung im Leben der beteiligten Jugendlichen selbst beigemessen wird, darüber wurde gemeinsam diskutiert.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Das Bildungssystem in Deutschland wird als zu starr beschrieben. Gleichzeitig gebe es spürbare Unterschiede in der Umsetzung der Lehrpläne – gerade zwischen Stadt und Land. Föderalismus trägt in der Wahrnehmung junger Menschen zu einer wachsenden Ungleichheit bei. Auf individuelle Stärken und Schwächen junger Menschen werde nicht eingegangen. Zudem fehle es an sprachlicher Vielfalt. Wer weniger gut Deutsch spreche, erfahre oft Diskriminierung. Die Lebenswelt junger Menschen bleibe inhaltlich meist unberücksichtigt: Themen wie KI und Social Media spielen im Unterricht kaum eine Rolle.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Schüler:innen sprechen von großem mentalen Druck. Um diesen abzubauen, brauche es Räume und passende Unterstützungsstrukturen, auch kostenlose AGs, Nach-hilfe und außerschulische Angebote – allen voran im Bereich der politischen Bildung. Längeres gemeinsames Lernen wird als Lösung beschrieben, um Chancengleichheit herzustellen und Spaltung abzubauen. Es sollten Stipendienprogramme aufgesetzt werden, um allen jungen Menschen die gleichen Zugänge zu guter Bildung zu ermöglichen.
„Der Stundenplan in den Schulen ist voll, statt Raum für Selbstwirksamkeit zu schaffen!“ (Jugendliche:r)
Stimmen
„Wer mehr Geld hat, schafft es eher auf eine gute Schule! Das ist ungerecht und sollte nicht so sein!“ (Rebecca Gutwald, DEIN MÜNCHEN)
„Junge Menschen haben keine Zeit mehr und spüren ständig Druck. Somit wird es schwieriger, Inklusion auch zu leben.“ (Jugendliche:r)
„Es fehlt den Erwachsenen oft die Geduld und die Zeit, den Kindern und Jugendlichen zuzuhören“ (Jugendliche:r)
Armut und soziale Ausgrenzung
Design-Thinking-Workshops mit Jugendlichen, Zivilgesellschaft und Politik
Armut und soziale Ausgrenzung
Jedes fünfte Kind und jede:r vierte junge Erwachsene in Deutschland sind von Armut bedroht. Armut beschämt Kinder und Jugendliche. Sie bedeutet nicht nur monetäre Einschränkungen, sondern sie begrenzt darüber hinaus auch nachweislich die gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen im Hier und Jetzt. Armut geht mit sozialer Ausgrenzung und Benachteiligungen in fast allen Lebensbereichen einher, die mitunter das ganze Leben prägen und nachwirken. Im Dialogforum ging es darum, was Armut konkret für Kinder und Jugendliche bedeutet und wie die damit einhergehenden sozialen Ungleichheiten abgebaut werden können. Gemeinsam wurde überlegt und diskutiert, was politisch getan werden kann, damit alle Kinder und Jugendlichen bessere Startchancen für ihren Lebensweg haben. Denn um die multiplen Herausforderungen von Armut und sozialer Ausgrenzung noch besser zu benennen und abzubauen, ist es elementar, dass Kinder und Jugendliche selbst aus ihrer Lebenswelt berichten und ihre Bedarfe benennen.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Der Leistungsgedanke prägt weiterhin die Gesellschaft. Armut hat außerdem unterschiedliche Dimensionen: mangelnde Selbstwirksamkeit, fehlende Teilhabe, finanzielle Armut oder schlechtere Chancen in der Bildung. Die von der Bundesregierung ursprünglich geplante Kindergrundsicherung wird als zu niedrig beschrieben. Gefordert wird eine Neuberechnung, die die tatsächlichen Bedarfe von Kindern und Jugendlichen abdeckt. Kinderarmut abschaffen, das müsse für politische Verantwortliche höchste Priorität haben. Dafür brauche es unter anderem Bildungsgerechtigkeit, offene Räume und Freizeitangebote für Jugendliche, ein kostenfreies Mittag- essen für Kinder oder auch einen kostenfreien ÖPNV.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Die Debatte um Armut und ihre Folgen wird aus Sicht junger Menschen stigmatisierend geführt. Kritisiert wird zudem eine fehlende Solidarität gegenüber Betroffenen. Als weiteres Problem wird benannt, dass Kinder zu wenig in Entscheidungen eingebunden werden und es gerade jungen Menschen an Interessenvertretungen fehle, um eigene Sichtweisen einzubringen.
„Armut ist, wenn man anders behandelt wird.“ (Jugendliche:r)
Stimmen
„Armut bedeutet für mich jede Form von Benachteiligung.“ (Jugendliche:r)
„Junge Menschen sind die Zukunft und wir sind nichts, wo gestutzt werden soll.“ (Jugendliche:r)
„Armutsprävention ist nicht verhandelbar.” (Christina Kruse, LVG Niedersachsen)
Offene Themen
Design-Thinking-Workshops mit Jugendlichen, Zivilgesellschaft und Politik
Offene Themen
Partizipation von Kindern und Jugendlichen braucht Zeit und Raum für ihre Themen. Sie müssen Inhalte, die ihnen wichtig sind, vorbringen können und darin ernst genommen werden. Nur so lässt sich erfahren, was junge Menschen aus ihrer Sicht brauchen. Neben den vorgegebenen inhaltlichen Schwerpunkten bot das Dialogforum daher in einem thematisch offenen Angebot die Gelegenheit, vor Ort zu entscheiden, welches Thema den Jugendlichen noch fehlt und besprochen werden sollte. In diesem vierten Workshop „Offene Themen“ fanden die Teilnehmenden im Austausch miteinander zu zwei Aspekten: politische Beteiligung und Diskriminierung. Gemeinsam diskutierten sie diesbezügliche Probleme und formulierten konkrete Forderungen, wie beispielsweise die Schaffung neuer Möglichkeiten von politischer Teilhabe für alle Menschen und den Abbau diskriminierender Strukturen.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Neben der etablierten Parteipolitik brauche es Möglichkeiten für jugendliches Engagement und auch passende Unterstützungsstrukturen, um selbst herausfinden zu können, wo und wie man sich einbringen und mitwirken kann.Kritisiert wird, dass Wahlprogramme meist nur für Menschen geschrieben sind, die sich ohnehin schon mit politischen Themen auseinandersetzen. Junge Menschen müssten zudem stärker online mit politischen Inhalten angesprochen werden.
Einblicke in Probleme & Lösungsideen
Gefordert wird zudem eine größere Offenheit gegenüber gesellschaftlicher Vielfalt. Dafür müsse man einander (mehr) zuhören und außerdem positive Begegnungen schaffen. Gleichzeitig fehle es vielen Menschen und Gruppen an Zugängen und Machtpositionen.Es müsse darum gehen, nicht nur Integration zu fordern, sondern Strukturen zu ändern und Diversität zu fördern – etwa durch angepasste Lehrpläne, Vielfalt abbilden, und Sprachfähigkeiten als Ressource statt als Defizit zu sehen. In Zukunft brauche es eine größere Offenheit politisch Verantwortlicher für die Fragen, Themen, Sorgen und Probleme von Kindern und Jugendlichen.
Stimmen
„Bei allem braucht es mehr Inklusion von Jugendlichen!“ (Politiker:in)
„Ohne Menschen, die mich unterstützen und mir helfen, kann ich nicht teilhaben.“ (Jugendliche:r)
„Alle Sätze, die mit ‚Aber‘ beginnen, sind schlecht.“ (Jugendliche:r)
„Es wird immer erwartet, dass man es selbst schafft. Das geht aber oft nicht.“ (Jugendliche:r)
Gallery-Walk
Nach der Gruppenarbeit gab es im Rahmen eines Gallery-Walks einen Austausch zu den Ergebnissen und Themen der Design-Thinking-Workshops.
Fishbowl
Am Ende der Veranstaltung wurden ausgewählte Themen des Dialogforums in einem Fishbowl-Format besprochen.
Impressionen
Impressionen
Ohne Beteiligung kein Dialog!
Herausgeber Bertelsmann Stiftung Carl-Bertelsmann-Str. 256 33311 Gütersloh Deutsches Jugendinstitut e.V. Nockherstraße 2 81541 München Save the Children Deutschland e.V. Seesener Straße 10-13 10709 Berlin Ansprechpartnerinnen Jessica Knauer knauer@dji.de Antje Funcke antje.funcke@bertelsmann-stiftung.de Nicole Trieloff Nicole.Trieloff@savethechildren.de Redaktion, Gestaltung und Satz lilazwei GmbH hi@lilazwei.de Fotos Lena Mucha / Save the Children Copyright Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte sind den Herausgebern vorbehalten. Datum der Veröffentlichung Oktober 2024
Unser herzlicher Dank gilt allen Teilnehmenden am Dialogforum: Ohne Eure Beteiligung wäre ein solcher Austausch nicht möglich! Insbesondere möchten wir allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich vor Ort engagiert und eingebracht haben, unseren Dank aussprechen. Wir bedanken uns bei den Jugendlichen des JugendExpert:innenTeams der Bertelsmann Stiftung (JEx) und des ServiKiD-Jugend-Teams (DJI), das in Kooperation mit der gemeinnützigen Organisation DEIN MÜNCHEN eingerichtet wurde. Auch danken wir den Vertreter:innen der Bundesschülerkonferenz und den Jugendredakteur:innen von jup! Berlin. Ebenso geht unser Dank an zwei Jugendliche der Selbstvertretung junger Menschen mit Beeinträchtigungen des jumemb-Teams. Auch allen weiteren Jugendlichen, die hier nicht gesondert dargestellt sind, sei herzlich gedankt. Nicht zuletzt geht unser Dank an das junge Team des SV Bildungswerks für die Moderation der Veranstaltung und Durchführung der Workshops.
In einem Gallery Walk wurde vorgestellt, was in den Workshops inhaltlich erarbeitet worden ist. Zu den Forderungen kamen die Jugendlichen mit den anwesenden Politiker:innen in den Austausch. Mehr als 20 Vertreter:innen aus Politik und Verwaltung, darunter sechs Bundestagsabgeordnete nahmen am Dialogforum in Berlin teil.
„Ihr fragt euch sicherlich, was macht nun so ein Ministerium mit all diesen Punkten und Forderungen. Ich kann euch sagen, wir nehmen das mit, es landet in der Bundesregierung!“ (Jana Borkamp, Abteilungsleiterin Kinder und Jugend, BMFSFJ)
„Ob ich schwänze und Netflix schaue, oder ob ich mich politisch engagiere, ist doch derzeit egal. Es sind dieselben Fehlstunden. (…) Ich hätte gerne Bildungsurlaub als Schülerin gehabt, (…) um mich vielmehr ehrenamtlich zu engagieren.“ (Jugendliche:r)