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Deutsche Literatur Überblick 19.-21. Jahrhundert

Lycée Saint-Sernin

Created on April 16, 2023

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Deutsche Literatur Überblick

19. - 21. Jahrhundert

Index

Literatur des Expressionismus (1910-1925)

Neue Sachlichkeit (1919-1932)

Literatur der Moderne (1890-1920)

Kalter Krieg

Nachkriegsliteratur (1945-1950)

Exilliteratur 1933–1945

Von der Weltliteratur zur globalen Literatur?

DDR-Literatur

Westdeutsche Literatur

Literatur der Moderne (1890-1920)

Die Literatur der Moderne entstand, als das traditionelle Weltbild durch wissenschaftliche Erkenntnisse erschüttert wurde: Albert Einstein veröffenlichte seine Relativitätstheorie, Max Planck die Quantentheorie und Sigmund Freud schrieb über das Unbewusste. Diese neuen Perspektiven auf die Wirklichkeit, die das Zufällige und Heterogene allen Geschehens betonte, brachte die Schriftsteller dazu, eine neue ästhetische Konzeption zu entwickeln. Das Experimentieren mit neuen literarischen Techniken stand deshalb während der Moderne im Vordergrund.

Wichtige Stilmittel moderner Romane sind die freie indirekte Rede, eine fragmentierte Weltsicht, die Relativierung von Ansichten und der Perspektivenwechsel. Ein weiterer wichtiger Punkt in der Entwicklung der Moderne war die Sprachkrise der Jahrhundertwende, in welcher die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache diskutiert wurden (z.B. in Ein Brief von Hugo von Hofmannsthal). Wichtige Autoren waren unter anderem Arthur Schnitzler, Hugo von Hoffmannstahl, Thomas Mann, Christian Morgenstern, Hermann Hesse, Stefan Zweig, Rainer Maria Rilke und Franz Kafka.

Literatur der Moderne (1890-1920)

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge und hält sich mit der kleinen heißen Hand dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.Und dann und wann ein weißer Elefant. Und auf den Pferden kommen sie vorüber, auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge schauen sie auf, irgend wohin, herüber - Und dann und wann ein weißer Elefant. Und das geht hin und eilt sich, daß es endet, und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel. Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet, ein kleines kaum begonnenes Profil -. Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet, ein seliges, das blendet und verschwendet an dieses atemlose blinde Spiel ...

Rainer Maria RilkeDas Karussell - Jardin du Luxembourg 1906 Mit einem Dach und seinem Schatten dreht sich eine kleine Weile der Bestand von bunten Pferden, alle aus dem Land, das lange zögert, eh es untergeht. Zwar manche sind an Wagen angespannt, doch alle haben Mut in ihren Mienen; ein böser Löwe geht mit ihnen und dann und wann ein weißer Elefant. Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald, nur daß er einen Sattel trägt und drüber ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

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Literatur des Expressionismus (1910-1925)

Die Expressionisten lehnten alle Arten des Denkens ab, die auf Logik und Erklärbarkeit basieren. Grundlegend für den Expressionismus ist die Philosophie von Friedrich Nietzsche (1844-1900). Die Sprache, die sie in ihren Werken benutzten, ist sehr subjektiv und durch Ekstase und Pathos gekennzeichnet, grammatische Normen werden dabei oft gebrochen. Die Schriftsteller des Expressionismus wandten sich mit ihren antibürgerlichen und antinationalistischen Einstellungen gegen den Trend der wilhelminischen Zeit. Viele widmeten sich stark subjektiven, existentiellen und gesellschaftsrelevanten Themen zu. Beispiele dafür sind politische Repressionen, die Großstadtproblematik während der sich noch entwickelnden Industrialisierung und gesellschaftliche Machtmechanismen.Der Expressionismus ist als Epochenbegriff umstritten, weil die expressionistischen Werke stilistisch sehr vielfältig sind. Teilweise wird etwa Franz Kafka dem Expressionismus zugerechnet, obwohl er ein Kritiker der Bewegung war. Weitere wichtige Autoren waren Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler und Alfred Döblin.

"Jakob von Hoddis, Weltende (veröffentlicht am 11.1.1911)Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
 Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
 Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut. Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
 An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
 Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
 Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.
"

Neue Sachlichkeit (1919-1932)

Die Literatur der Weimarer Republik sollte erstmals eine breite Öffentlichkeit ansprechen. Dazu wählten die Schriftsteller eine allgemein verständliche Sprache und realitätsbezogene Darstellungen. Die wichtigste literarische Strömung war dabei die sogenannte Neue Sachlichkeit. Weitere Strömungen, die häufig auch als eigene Epochen oder Stile gelten, fielen zugleich in die Zeit zwischen 1919 und 1932: Naturalismus, die literarische Moderne und Expressionismus. Viele Schriftsteller litten unter der Zensur in der Weimarer Republik. Zwar war die Freiheit von Wort und Schrift verfassungsmäßig garantiert, doch bereits 1922 wurde nach dem Mord an Walter Rathenau das Republikschutzgesetz erlassen, das diese Freiheit wieder einschränkte. In der Praxis wurde dieses Gesetz nur gegen „linke“ Autoren angewandt, nicht aber gegen „rechte“, die zum Beispiel in Freicorpsromanen offen Gewalt verherrlichten.

Neue Sachlichkeit (1919-1932)

Inhaltlich wurden in der Literatur der Weimarer Republik häufig die Ereignisse des Ersten Weltkriegs verarbeitet. Beispiele dafür sind Thomas Manns Der Zauberberg sowie Hermann Hesses Der Steppenwolf. Die Neue Sachlichkeit grenzte sich nüchtern und realistisch vom Pathos des Expressionismus ab. An die Stelle emphatischer und romantischer Bilder trat eine ernüchterte, oft distanzierte Haltung, die dokumentarisch und scheinbar gefühllos die moderne Gesellschaft darstellte.Wichtige Autoren waren neben Bertolt Brecht unter anderem Alfred Döblin, Hermann Hesse, Franz Kafka, Erich Maria Remarque, Joseph Roth und Kurt Tucholsky.

Exilliteratur 1933–1945

Die deutsche Exilliteratur entstand 1933–1945, nachdem viele Schriftsteller vor den Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen mussten. Vor allem jüdische, pazifistische und marxistische Schriftsteller wurden verfolgt, ihre Bücher wurden teilweise öffentlich verbrannt. Viele Exilautoren suchten zunächst in europäischen Ländern Zuflucht, doch nach Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 mussten sie auch von dort, etwa aus Österreich, Frankreich und den Niederlanden, fliehen. Neben Paris, Amsterdam, Stockholm, Zürich wurden deshalb auch Moskau, New York und Mexiko zu Zentren der Exilautoren. Der Großteil der Exilliteratur besaß einen politischen Charakter. Aus dem Heimweh einiger Autoren entstanden auch Naturgedichte und Liebeslyrik.Als bedeutendster historischer Roman des Exils gilt Henri Quatre von Heinrich Mann. Nach ihm hatte die Exilliteratur zwei Aufgaben: sie sollte die Welt über Nationalsozialisten aufklären und den Widerstand in Nazi-Deutschland unterstützen. Andere Schriftsteller versuchten, direkt gegen das Dritte Reich zu kämpfen, in dem Sie Radioreden, Manifeste, Flugblätter oder Tarnschriften veröffentlichten.

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Nachkriegsliteratur (1945-1950)

Der Begriff Nachkriegsliteratur, oder auch Trümmerliteratur, Literatur der Stunde Null oder Heimkehrerliteratur, bezeichnet in der Germanistik die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Literatur in Deutschland. Die Literatur der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war in verschiedener Hinsicht gespalten: ein Teil der Autoren wollte die NS-Diktatur in ihren Werken Verarbeiten, ein anderer Teil war dabei, sie zu verdrängen. Es bestand auch eine Kontroverse zwischen den Autoren, die in Deutschland geblieben und in die „Innere Emigration“ gegangen waren und den Vertretern der Exilliteratur. Auslöser war Thomas Mann, der die angebotene Rückkehr nach Deutschland mit der Begründung ablehnte, sich durch die Zeit der NS-Diktatur von seiner Heimat entfremdet zu haben.

Kalter Krieg

Die Schriftsteller, die in die Besatzungszonen zurückgekehrt waren, waren bald enttäuscht darüber, dass sich allmählich konservative Autoren durchsetzten und die jüngste Vergangenheit verdrängte wurde. Viele der nach Westdeutschland zurückgekehrten Exilautoren gingen daraufhin erneut ins Exil oder siedelten in die Osthälfte Deutschlands über. Die „Gruppe 47“ war ein westdeutsches Netzwerk von Autoren und Verlegern, die sich zu jährlichen Versammlungen trafen, darunter Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Günter Grass und Paul Celan. Auch auf diesen Treffen wurde weder der Krieg noch die Teilung Deutschlands behandelt.

Solche Autoren wie Paul Celan und I. Bachmann erfanden neue lyrische Formen oder erneuerten ältere Formen, um diese Themen abzusprechen.

In der Sowjetischen Besatzungszone und der aus ihr hervorgehenden DDR bildete sich eine relativ homogene Literatur heraus. Staatliche Einflussnahme und die beherrschende Stellung heimgekehrter kommunistischer Emigranten prägten als erstes Hauptthema die Abrechnung mit dem Nationalsozialismus als einer verbrecherischen Ausformung des Kapitalismus. Danach stellte sich die Literatur weitestgehend in den Dienst des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft.

Die Todesfuge, Paul Celan Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts wir trinken und trinken wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends wir trinken und trinken Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends wir trinken und trinken ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland dein goldenes Haar Margarete dein aschenes Haar Sulamith

Westdeutsche Literatur

Die deutsche Literatur nach 1950 ist von einer Vielzahl von Autoren und Strömungen geprägt. Nachdem in den fünfziger Jahren in Deutschland das Wirtschaftswunder begann, konzentrierten sich die Schriftsteller auf die Gegenwart, etwa in den Romanen von Siegfried Lenz und Martin Walser. Ein wichtiger Lyriker der Zeit war Günter Eich, der auch Hörspiele schrieb. Günter Grass, Literaturnobelpreisträger des Jahres 1999, schrieb 1959 Die Blechtrommel. In dem Werk behandelt er die jüngere deutsche Geschichte und erlangte damit international hohes Ansehen.Autoren, die sich nur schwer einer bestimmten Richtung zuordnen lassen, sind unter anderem Arno Schmidt und Uwe Johnson.

Mit dem Vietnamkrieg und der 68er-Bewegung besannen sich viele Schriftsteller auf das politische Gedicht (Hans Magnus Enzensberger) und das politische Drama (Peter Weiss) – oder reagieren Gegenteil mit einer zunehmenden Abwendung von politischen und zeitgeschichtlichen Themen und konzentrieren sich stattdessen auf individuelle Erfahrungen und Erlebnisse, was als „neue Subjektivität“ bezeichnet wird. Herausragender deutschsprachiger Pop- und Underground-Lyriker der siebziger Jahre war Rolf Dieter Brinkmann. Einer der wichtigsten Dramatiker der achtziger Jahre ist Botho Strauß.

DDR-Literatur

Der Begriff DDR-Literatur ist insofern umstritten, als die Autoren sich nur teilweise mit dem Regime oder mit de sozialistischen Ideal identifizieren - Johannes Bobrowski: "Ich bin ein deutscher Dichter oder ich lern polnisch." Neben den zahlreichen und etwas zersplitterten Strömungen der westdeutschen Literatur ist die Literatur der DDR kohärenter und insofern interessant, als manche Schriftsteller eine kreativere Interpretation der staatlichen Gebote entwickelten. Ein prägendes Beispiel dafür ist das Werk der Schriftstellerin Christa Wolf. Wie der Dramatiker Heiner Müller schrieb sie in Anlehnung an die klassische - antike oder europäische Literatur.

DDR-Literatur

" Erst als Besitz, Hierarchie, Patriarcat entstehen, wird aus dem Gewebe des menschlichen Lebens, das die drei Uralt-Frauen, die Moiren, in der Hand hatten, jener eine blutrote Faden herausgerissen, wird er auf Kosten der Gleichmäßigkeit des Gewebens verstärkt: die Erzählung von der Heroen Kampf und Sieg oder Untergang. Die Fabel wird geboren. Das Epos, aus den Kämpfen um das Patriarchat enstanden, wird durch seine Struktur auch ein Instrument zu seiner Herausbildung und Befestigung. Vorbildwirkung wird dem Helden auferlegt, bis heute. Der Chor der Sprecherinnen ist verschwunden, vom Erdboden verschluckt. Als Heroine kann die Frau nun Gegenstand der männlichen Erzählung werden." Christa Wolf, Dritte Frankfurter Poetik-Vorlesung, 1982.

Wolf BiermannErmutigung (1968) Du, laß dich nicht verhärten in dieser harten Zeit. Die allzu hart sind, brechen, die allzu spitz sind, stechen und brechen ab sogleich. Du, laß dich nicht verbittern in dieser bittren Zeit. Die Herrschenden erzittern - sitzt du erst hinter Gittern - doch nicht vor deinem Leid.

Du, laß dich nicht erschrecken in dieser Schreckenszeit. Das wolln sie doch bezwecken daß wir die Waffen strecken schon vor dem großen Streit. Du, laß dich nicht verbrauchen, gebrauche deine Zeit. Du kannst nicht untertauchen, du brauchst uns und wir brauchen grad deine Heiterkeit. Wir wolln es nicht verschweigen in dieser Schweigezeit. Das Grün bricht aus den Zweigen, wir wolln das allen zeigen, dann wissen sie Bescheid

Von der Weltliteratur zur globalen Literatur?

Entwickelt sich die heutige deutsche Literatur seit der Deutschen Einheit 1990 zu einer globalen Literatur? Darauf weisen vielleicht die Einbeziehung der post-kolonialen Debatte hin, sowie die Kurzformen von Alexander Kluge.