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Deutsche Literatur Überblick Mittelalter - 19. Jahrhundert

Lycée Saint-Sernin

Created on April 11, 2023

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Bibliographie

Deutsche Literatur im Überblick

Index

Das Barock(17. Jahrhundert)

Humanismus (15.-16. Jahrhundert)

das Mittelalter (12. Jahrhundert-1500)

Die Aufklärung - 1720-1800

Die Weimarer Klassik (1786-1832)

Der Sturm und Drang (1767-1790)

Die Empfindsamkeit (18. Jahrhundert)

Die Romantik (1798-1835)

Naturalismus

Realismus

Junges Deutschland und Vormärz (1825-1848)

Das Biedermeier (1815-1848)

das Mittelalter (12. Jahrhundert-1500)

Der bekannteste Minne- und Spruchdichter ist Walther von der Vogelweide. Außerdem entstanden, meist von Frankreich ausgehend, verschiedene Arten der höfischen Romane: Antikenromane, Heldenepen und der Artusroman. Berühmte Beispiele sind Tristan und Isolde von Gottfried von Straßburg und Parzival von Wolfram von Eschenbach. Die weltliche Lyrik, also Gedichte, in denen es um das reale Leben und nicht um Sagen und Mythen ging, wurde in Latein verfasst und heißt Vagantendichtung. Die Carmina Burana ist eine Sammlung solcher Lieder und Gedichte.

Lesen und Schreiben – das konnten im Mittelalter vor allem die Mönche und Adeligen. Kein Wunder also, dass eine Form der Dichtung populär war, die sich auswendig lernen und vortragen ließ: Der Minnesang. In den Stücken pries der Minnesänger (meist ein Ritter oder Adeliger) eine unerreichbare (weil verheiratete) adelige Frau und beklagte seine unerfüllte Liebe. Oder er sang von erotischen Erfahrungen. Die Minnedichter sangen auf Mittelhochdeutsch und waren besonders auf den Hoffesten beliebt. Vom Minnesang abzugrenzen ist die Spruchdichtung, die zu religiös und moralisch korrektem Handeln aufforderte.

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Humanismus (15.-16. Jahrhundert)

" Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feindmit Ernst er’s jetzt meint, groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist, auf Erd ist nicht seinsgleichen." Martin Luther (Anfang des 16. Jahrhunders)

Die Erfindung des Buchdrucks und die Eroberung von Konstantinopel ebnen den Weg für eine neue, laizistische – ja individuelle - Kultur, für die Kenntnis der alten Sprachen (vor allem Griechisch und Hebraisch) und also auch für die Reformation (31. Oktober 1517). der deutsche Humanismus ist religiöser ausgeprägt, als der italienische, und lässt sich durch entgegengesetzte Tendenzen kennzeichnen. Auf der einen Seite stehen die Optimisten nach italienischem Vorbild (Conrad Celtes zum Beispiel), auf der anderen Seite die Pessimisten, die sich von der eschatologischen Atmosphäre des Jahrhunderts inspirieren lassen (Albrecht Dürer, Sebastian Brant, Das Narrenschiff). Auf der einen Seite steht wiederum eine erste Generation, die durch die Endeckung der neuen Künste und Wissenschaften geprägt ist (Z.B. Willibald Pirckheimer). Auf der anderen die zweite, von der Reformation geprägte Generation von aktiven Christen und Pamphletisten (Ulrich von Hutten).

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Humanismus (15.-16. Jahrhundert)

"Indem man dies Symptom der Depersonalisation als schweren Grad des Traurigseins erfasste, trat der Begriff von dieser pathologischen Verfassung, in welcher jedes unscheinbarste Ding, weil die natürliche und schaffende Beziehung zu ihm fehlt, als Chiffre einer rätselhaften Weisheit auftritt, in einem unvergleichlich fruchtbaren Zusammenhang. Ihm ist gemäß, dass im Umkreis der “Melancholia” Albrecht Dürers die Gerätschaften des tätigen Lebens am Boden ungenutzt, als Gegenstand des Grübelns liegen." Walter Benjamin, Ursprung des deutschen Trauerspiels, 1928.

Albrecht Dürer, Melancholia I, 1514.

Das Barock(17. Jahrhundert)

Andreas Gryphius Tränen des Vaterlandes (1636) Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret! Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrat aufgezehret. Die Türme stehn in Glut, die Kirch' ist umgekehret. Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun, Die Jungfern sind geschänd't, und wo wir hin nur schaun Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret. Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut. Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen. Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod, Was grimmer denn die Pest, und Glut und Hungersnot, Daß auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

Literatur des Barocks (17. Jahrhundert)

Nach dem Dreißigjährigen Krieg fand eine Neugliederung der Territorien statt, durch welche die Fürsten ihre Macht behaupten konnten. Die absolutistischen Fürsten nahmen immer mehr Einfluss auf alle Lebensbereiche, kontrollierten die Wirtschaft und auch die Kirche mischte sich in Erziehung, Lebensstil und Bildung ein. Gleichzeitig genossen die Menschen antike Kunst, die oft heidnisch, sinnenfroh und lebenslustig – nach kirchlicher Vorstellung also sündhaft – war. Und Bauernaufstände sowie soziale Unruhen in den Städten führten dazu, dass die Bevölkerung ein zunehmendes Standes- und Selbstbewusstsein entwickelte und sich immer weniger der Ständegesellschaft unterwerfen wollte. Ein Wandel in der Gesellschaftsstruktur deutete sich also an.

Die Dichter der Renaissance schrieben noch auf Lateinisch, die des Barock begannen, ihre Werke in deutscher Sprache zu verfassen. Mit Martin Opitz‚ Buch von der Deutschen Poeterey aus dem Jahr 1624 entstand außerdem ein Regelwerk, in dem er metrische Vorschriften für Sonette, Epigramme und Lieder festlegte. Opitz lehnte das silbenzählende Versprinzip der antiken Dichtungen ab. Stattdessen setze er das alternierende Versprinzip (Jambus und Trochäus) durch, da es besser zum Klang und der Melodie der deutschen Sprache passt.

Die Literatur in der Epoche des Barock ist geprägt von der Antithetik: Leben und Tod, Spiel und Ernst, Ewigkeit und Zeit, Erotik und Tugend. In der Tat lebten die Menschen des Barock in einer turbulenten Zeit: Durch die Pest starben dreißig Prozent der Bevölkerung und der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) führte zu einem politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verfall im Deutschen Reich.

Die Aufklärung - 1720-1800

" Immanuel KantBeantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (1784) Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."

Die Aufklärung begründet ein neues, naturwissenschaftliches Weltbild, das die Vernunft (den Rationalismus), die Wahrnehmung durch unsere Sinne (Sensualismus) und die Erfahrung (Empirismus) zu den Quellen aller Erkenntnis erhebt.Vor allem ist die Aufklärung gekennzeichnet vom Aufstieg des Bürgertums sowie vom Niedergang des Adels. Dessen von Willkür geprägte Herrschaft soll beendet werden. Der Adel des 18. Jahrhunderts stand im Ruf, rücksichtslos und gleichgültig gegenüber den Konsequenzen seiner Handlungen zu sein. Das Bürgertum wird in der Aufklärung gebildeter und vermögender und entwickelt eine Moralauffassung, die sich der Haltung des Adels entgegenstellt. Es stellt das Wohl der Gesellschaft über das Wohl der Privilegierten und erklärt die Bildung des Individuums zu seinem wichtigsten Ideal.

Literatur der Aufklärung - 1720-1800

Viele Aufklärer kritisieren außerdem den Dogmatismus der Kirchen und deren Deutungshoheit im Diskurs. Die Philosophie der Aufklärung kann als grundlegend gelten für die heute weitgehend säkulare Gesellschaft Europas und ihr Verständnis von individueller Freiheit, Gleichheit und Gerichtbarkeit. Gotthold Ephraim Lessings letztes Werk Nathan der Weise ist heute auch sein berühmtestes. Darin behandelt er die zentralen Ideen der Aufklärung, den Humanismus und den Toleranzgedanken. Lessing begründet außerdem das bürgerliche Trauerspiel, das neben der Fabel zur literarischen Hauptgattung der Aufklärung wird. Zuvor war es üblich, bürgerliche Themen in Komödien zu behandeln, während Trauerspiele, also Tragödien, dem Adel vorbehalten waren. Nun aber publiziert Lessing mit seinem Trauerspiel Emilia Galotti (1772) ein politisches Stück, das eine Bürgerliche in den Mittelpunkt seiner Handlung stellt. Ein politisch hochbrisantes Unternehmen, denn Lessing thematisiert darin den Konflikt zwischen Adel und Bürgertum. Die Epoche der Aufklärung gipfelt in der Französischen Revolution

Literatur der Empfindsamkeit (18. Jahrhundert)

Ihre Protagonisten verzweifeln an der Unterdrückung durch Fürsten (wie in Lessings Bürgerlichem Trauerspiel Emilia Galotti, 1772) oder wegen unerfüllter Liebe, die sie bis in den Selbstmord treibt (wie in Goethes Die Leiden des jungen Werther, 1774). Indem sie das Emotionale zum Ideal erklärt, grenzt sich die literarische Empfindsamkeit nur scheinbar von der zeitlich parallel verlaufenden Aufklärung und ihrem Rationalismus ab. Beide haben das Wesentliche gemein: Das zu Wohlstand gelangte, gebildete Bürgertum ist politisch einflusslos und mit seinem Streben nach Emanzipation darum auf andere Bereiche verwiesen. Und so sucht es sich in der Ausprägung einer starken Persönlichkeit eine Nische, in der es sich gegenüber dem herrschenden Adel Geltung zu verschaffen versucht. Gefühle und die Fähigkeit, ihre Regungen intensiv zu erleben, gelten den Empfindsamen als Maßstab für die Ausbildung ihrer Persönlichkeit. Das Schreiben wird darum zum Instrument der Selbsterforschung. Beeinflusst wird die Empfindsamkeit von der Gläubigenbewegung des Pietismus, die sich gegen die Orthodoxie und den Dogmatismus der klassischen Theologie ihrer Zeit wendet.

Klärchens LiedFreudvoll Und leidvoll, Gedankenvoll sein, Langen Und bangen In schwebender Pein; Himmelhoch jauchzend, Zum Tode betrübt – Glücklich allein Ist die Seele, die liebt. Johann Wolfgang von Goethe, Egmont, 3. Aufzug, 2. Szene. "Klärchens Lied" (1788)

Der Sturm und Drang (1767-1790)

" Karl v. Moor (legt das Buch weg). Mir ekelt vor diesem tintenklecksenden Seculum, wenn ich in meinem Plutarch lesen von großen Menschen. (…) Der lohe Lichtfunke Prometheus' ist ausgebrannt, dafür nimmt man jetzt die Flamme von Bärlappenmehl – Theaterfeuer, das keine Pfeife Tabak anzündet. " Friedrich Schiller, Die Räuber (I, 2), 1781.

Die Epoche des Sturm und Drang wird auch als „Geniezeit“ bezeichnet. Die Literatur vertritt ein Ideal eines unabhängigen, sich selbst verwirklichenden Individuums, dem Originalgenie. Sie setzt einen Gegensatz zu der von der Aufklärung betonten Vernunft: Starke Gefühle waren erwünscht, ihnen wurde oft durch Ausrufe und Schimpfwörter Nachdruck verliehen. Die Sturm-und-Drang-Epoche war gewissermaßen eine Jugendkultur der Literatur: Die Verfasser waren zumeist junge Männer zwischen zwanzig und dreißig, spätere Werke etwa von Goethe und Schiller sind dann nicht mehr dieser Epoche, sondern der Klassik zuzuordnen. Goethes Götz von Berlichingen und Die Leiden des jungen Werther gehören ebenso wie Schillers Die Räuber zu den wichtigsten Werken dieser Epoche.

Die Weimarer Klassik (1786-1832)

Die Epoche der Weimarer Klassik (nach dem Wohn- und Schaffensort der wichtigsten Autoren auch Weimarer Klassik genannt) beginnt mit Goethes erster Italienreise im Jahr 1786 und reicht je nach Definition bis zu Schillers Tod 1805 oder dem Tod Goethes im Jahr 1832 . Das Ziel der Klassik war die „Humanität“ – man ging davon aus, dass der Mensch zum „Guten“ erziehbar sei. Der Mensch sollte sich in allen Bereichen entwickeln und vervollkommnen: Gefühl und Verstand, künstlerisches Empfinden und wissenschaftliches Denken, theoretisches Erfassen und praktische Umsetzung. Das Ideal der „Harmonie“ beinhaltete, dass diese Eigenschaften nicht miteinander konkurrieren sollten. Die Vertreter der Klassik orientierten sich an der Antike, weil sie dort diese Idealvorstellungen verwirklicht sahen. Das Drama ist deshalb in der Klassik die wichtigste literarische Gattung. Neben Goethe und Schiller zählt noch Johann Gottfried Herder, der ebenfalls in Weimar lebte, zu den Autoren der Klassik.

Literatur der Klassik (1786-1832)

Faust: Der Tragödie Erster Teil Nacht. In einem hochgewölbten, engen gotischen Zimmer Faust, unruhig auf seinem Sessel am Pulte. Faust: Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor; Heiße Magister, heiße Doktor gar Und ziehe schon an die zehen Jahr Herauf, herab und quer und krumm Meine Schüler an der Nase herum – Und sehe, daß wir nichts wissen können! Das will mir schier das Herz verbrennen

Die Romantik (1798-1835)

Novalis, Heinrich von Oefterdingen, 1802. Die Eltern lagen schon und schliefen, die Wanduhr schlug ihren einförmigen Takt, vor den klappernden Fenstern sauste der Wind; abwechselnd wurde die Stube hell von dem Schimmer des Mondes. Der Jüngling lag unruhig auf seinem Lager, und gedachte des Fremden und seiner Erzählungen. »Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben«, sagte er zu sich selbst; »fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn' ich mich zu erblicken. Sie liegt mir unaufhörlich im Sinn, und ich kann nichts anderes dichten und denken. So ist mir noch nie zumute gewesen: es ist, als hätt ich vorhin geträumt, oder ich wäre in eine andere Welt hinübergeschlummert; denn in der Welt, in der ich sonst lebte, wer hätte da sich um Blumen bekümmert, und gar von einer so seltsamen Leidenschaft für eine Blume hab' ich damals nie gehört.

Die Romantik (1798-1835)

Die Vertreter der Romantik wandten sich gegen die Rationalität der Aufklärung und die Strenge der Klassik und betonten Gefühle, Individualität und Leidenschaft. Die Romantiker idealisierten das Mittelalter und dessen Mythenwelt. Sie empfanden eine Spaltung der Welt in Vernunft und Gefühl und sehnten sich nach der Überwindung dieser Spaltung. Die Empfindsamkeit kann als Vorläufer der Romantik betrachtet werden. In dem Ideal der „Universalpoesie“ sollten nicht nur die verschiedenen Gattungen wie Lyrik, Drama und Prosa zusammengeführt, sondern auch die Literatur mit der Wissenschaft verbunden werden. Eine wichtige Form ist deshalb das bewusst bruchstückhafte Werk, das Fragment.

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Das Biedermeier (1815-1848)

Die Literatur der Biedermeier-Epoche betont und verklärt das Häusliche und Beschauliche. Dieser Rückzug ins Private ist eine Reaktion auf die politische Entwicklung jener Zeit: Im Jahr 1815 wurde auf dem Wiener Kongreß die Neuordnung Europas geregelt. Die Zeit bis 1848 war geprägt vonder Restauration, also der Wiederherstellung jener Verhältnisse, die vor der Französischen Revolution Europa geprägt hatten. Die Karlsbader Beschlüsse von 1819 setzten eine starke Einschränkung jeglicher politischer Betätigung durch und führten eine strenge Zensur für alle Veröffentlichungen ein.

Die Literatur des Biedermeier besinnt sich deshalb auf die häusliche Idylle, die Zähmung der Leidenschaften und die Unterordnung unter das Schicksal. Wichtige Schriftsteller der Biedermeierzeit waren Eduard Mörike, Annette von Droste-Hülshoff und Johann Nestroy.

Junges Deutschland und Vormärz (1825-1848)

Die Literatur des Vormärz ist im gleichen Zeitraum wie die Biedermeier-Literatur entstanden. Anders als die Vertreter des Biedermeier waren die Vormärz-Schriftsteller jedoch nicht einverstanden mit der konservativen Restaurationspolitik des Wiener Kongresses. Sie forderten stattdessen politische Aufklärung, Meinungsfreiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit.Wichtige Stilformen des Vormärz sind der Brief, der Reisebericht und das politische Gedicht. Das Junge Deutschland war ein Zusammenschluss liberal gesinnter Dichter, dessen Veröffentlichungen 1835 durch den Frankfurter Bundestag verboten wurden. Heinrich Heine gehörte zu diesem Kreis. Auch Christian Dietrich Grabbe und Georg Büchner sind Vertreter des Vormärz.

Im düstern Auge keine Thräne, Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne: Deutschland, wir weben Dein Leichentuch, Wir weben hinein den dreifachen Fluch – Wir weben, wir weben! Heinrich Heine, Die schlesischen Weber , 1844.

"Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und der Czar, Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten.(...) Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen." Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der kommunistischen Partei, 1848.

Realismus (1848-1890)

Die Philosophie von Karl Marx trifft den Nerv der Zeit: Seinem Historischen Materialismus zufolge bestimmen die materiellen Lebensumstände einer Epoche grundlegend, was gedacht werden kann. Veränderte Lebensbedingungen bewirken demnach stets ein Umdenken in der Gesellschaft. Wenn man diesen Gedanken weiterverfolgt, reagieren Kunst und Literatur also zwangsläufig mit einer veränderten künstlerischen Bezugnahme auf neue materielle Lebensbedingungen. Wichtige Vertreter des Realismus sind Theodor Storm, Theodor Fontane (Effi Briest), Gustav Freytag, Adalbert Stifter.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts stellt die Lebensrealität vieler Menschen in Europa auf den Kopf: Es ist eine Zeit gravierender Veränderungen. Die Industrialisierung führt zu erheblichen Fortschritten in Wirtschaft und Wissenschaft, Technik und Medizin. Auf dem Land treiben die technischen Verbesserungen sowie das Bevölkerungswachstum Kleinbauern und besitzlose Tagelöhner in einen existenziellen Überlebenskampf.Als 1848 die Märzrevolution scheitert und damit die Aussicht auf eine breite politische Mitgestaltung in weite Ferne rückt, scheinen alle Hoffnungen und Ideale der Bürgerlichen infrage gestellt.

Naturalismus

Anders als der Realismus, der vor allem eine Abgrenzung gegenüber dem Mythos versucht, will der Naturalismus das Hässliche zeigen, es minutiös beschreiben. „Kunst = Natur“, das heißt eben auch, die Lebenswirklichkeit des Proletariats abzubilden. Und weil die Naturwissenschaften Hochkonjunktur haben, heißt es, nur das abzubilden, was beobachtet werden kann: Den Fortschritten in der Wissenschaft versucht der Naturalismus literarisch Rechnung zu tragen. Das betrifft vor allem die Naturwissenschaften, den philosophischen Positivismus und die Evolutionstheorie Charles Darwins. Auch die zu Beginn des 19. Jahrhunderts populär werdende Psychologie inspiriert viele Schriftsteller der Strömung.

Der Mensch ist demnach ein von seinen Trieben beherrschtes Wesen. Er wird als das Produkt der Faktoren Erbe (beziehungsweise Rasse), Milieu und geschichtliche Situation gesehen. Das hat Konsequenzen für die Literatur, deren Aufgabe Arno Holz darin sieht, „vor allem Charaktere zu zeichnen. Die Handlung ist nur Mittel.“ Ihre Werke, so beschreibt es der Schriftsteller Wilhelm Bölsche, sehen die Naturalisten als Versuchsanordnungen, in denen es gilt, die Handlungsweise ihrer Figuren wissenschaftlich zu durchdringen und die ihr zugrunde liegende „soziale Physik“ zu zeigen, bis „Gestalten aufwachsen, die logisch sind wie die Natur“. Zwar hat der Dichter „Menschen vor sich, keine Chemikalien“, aber nach Überzeugung der Naturalisten fallen „auch diese Menschen ins Gebiet der Naturwissenschaft.“