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Selektions- und Interpretationsprozesse der Wahrnehmung
Philipp Rott
Created on December 11, 2022
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Transcript
UnterrichtseinheitSelektions- und Interpretationsprozesse der Wahrnehmung
Der Cocktailpart-Effekt unddie Hypothesenteorie der Wahrnehmung
Index
Hier seht die die verschiedenen Einheiten dieser Lerneinheit. Ihr könnt auch über die Buttons navigieren.
Der Cocktailparty-Effekt
Ziele der Einheit
Beschaffenheit des Informationsverarbeitungssystem
Die Hypothesentheorie der Wahrnehmung
Der Necker-Würfel
Hausaufgabe
Ziele
dieser Lerneinheit zu Selektions- und Interpretationsprozessen der Wahrnehmung
Selektion und Interpretation
sind die zwei zentralen Begriffe dieser Lerneinheit
In dieser Einheit soll also gezeigt werden, wie wichtig diese beiden Prozesse für die Wahrnehmung sind. Du lernst den "Cocktail-Party- Effekt" kennen und die "Hypothesentheorie der Wahrnehmung" nach Bruner und Postman, die eben besonders Selektions- und Interpretationsprozesse fokussiert.
Selektion bedeutet "Auswahl". Es geht also darum, welche Aspekte der "Außenwelt" für die Wahrnehmung "ausgewählt" werden und verarbeitet werden- Interpretation bedeutet so viel wie "Bedeutungszuweisung". Bei der Wahrnehmung geht es also nicht nur darum, "was" ich sehe, sondern auch "wie" ich es sehe bzw. interpretiere.
Der Cocktailpart-Effekt
Was ist das?
Sieh bzw. höre Dir das folgende Video zum Cocktail-Party-Effekt an. Mach Dir dabei Notizen:Was ist der Cocktail-Party-Effekt? Was leistet unser "Informationsverarbeitungssystem" auf einer solchen Cocktail-Party, damit es zu diesem Phänomen kommt?
Der Cocktail-Party-Effekt
Unter dem Begriff "Cocktail-Party-Effekt" verstehen Psychologen die Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit selektiv einzusetzen: Wir richten sie auf einen Aspekt und blenden andere Informationen aus. Wir können auf einer lauten Party unserem Gesprächspartner zuhören und andere Geräusche unterdrücken, so dass diese nicht bewusst verarbeitet, aber trotzdem wahrgenommen werden. Denn wenn jemand im Raum plötzlich unseren Namen nennt, schwenkt unsere Aufmerksamkeit sofort zu diesem Gespräch, damit wir mitbekommen, was über uns gesagt wird.
Beschaffenheit des Informationsverarbeitungssystems
Was muss unser Informations-verarbeitungssystem können,
um wie beim Cocktail-Party-Effekt Informationen zu selektieren?
unbewusste und bewusste Prozesse der Informationsverarbeitung
Der Necker-Würfel
Sieh Dir die Figur auf der nächsten Seite an. Was siehst du zuerst? Ändert sich Deine Wahrnehmung nach einer gewissen Zeit? Was ändert sich? Beschreibe!
Welche Interpretationsmöglichkeiten gibt es für diesen Würfel? Welche hast du zuerst gesehen? Warum ist das so?
Die meisten Schüler sehen als erstes einen "Würfel von oben". Nach einer Zeit "kippt " die Wahrnehmung und man sieht auch einen "Würfel von unten". (Man nennt diese Art von Bildern auch "Kippbilder".)Wie war es bei Dir? Hast Du auch als erstes den "stehenden Würfel" von oben gesehen? Was ist die Erklärung hierfür?
Wenn du noch einmal zurückgehst und versuchst, den Würfel "springen" zu lassen, also vom "stehenden" in den "hängenden" Würfel und zurück, wird Dir vielleicht auffallen, dass es leichter ist, in die stehende Variante zu wechseln als umgekehrt. Als erste Folgerung ergibt sich: "Je bekannter ein Muster ist, desto eher wird es beim Wahrnehmungsvorgang erkannt. Es bleibt länger erhalten und ist auch leichter „willentlich“ wahrzunehmen."
Nächste Aufgabe: Erkennen aufgrund verschiedener Instruktionen! Sieh Dir den Würfel rechts noch einmal an und versuche, die folgenden "Arten von Würfel" zu sehen: - stehender Würfel - Hängender Würfel - oben offener Würfel - Drahtwürfel - Glaswürfel Vielleicht gelingt es Dir nicht bei allen Anweisungen, weil Du gerade nicht so konzentriert bist oder keine Lust hast oder.... Dennoch ergibt sich für die Wahrnehmung folgende zweite Folgerung: Wahrnehmungseindrücke können hervorgerufen werden, indem man Interpretationsmöglichkeiten durch verbale Anweisungen vorgibt.
Schreibe nun - bevor du weiterklickst - auf, wie Du die folgenden Situationen erklärst (möglichst spontan!) a) Du kaufst am Kiosk eine Zeitung und der Händler gibt Dir einen Euro zu wenig zurück. b) Du grüßt in der Schule auf dem Gang einen Lehrer/eine Lehrerin, der/diejenige antwortet aber nur sehr „knapp“ und geht weiter…
01
Welche Antwortmöglichkeiten wären möglich? Was könnten andere Schülerinnen und Schüler notiert haben? Leider können wir das Gespräch hierüber im Kurs nicht führen, aber Du wirst vermutlich zustimmen, dass es viele Interpretationsmöglichkeiten gibt, die individuell sehr verschieden sein können. Als Folgerung Nummer drei ergibt sich daher: Auch für soziale Situationen gibt es typische Interpretations- und Wahrnehmungmuster, die den spontanen „ersten Eindruck“ bestimmen. Diese können individuell sehr unterschiedlich sein.
Fazit:
Selektions- und Interpretationsprozesse sind ganz entscheidend für einzelne Wahrnehmungseindrücke, aber eben auch in komplexen sozialen Situationen.
Die Hypothesentheorie der Wahrnehmung
nach Bruner und Postman
Bitte lest den Text auf der folgenden Seite!
Die Hypothesentheorie der Wahrnehmung Jerome Bruner und Leo Postman beschrieben 1951 die Annahme, dass soziale Faktoren einen unmittelbaren Einfluss auf die Wahrnehmung und Beurteilung von Sachverhalten und Personen haben. Jeder Wahrnehmungsvorgang beginnt demnach mit einer Erwartungshypothese, die der Beobachter aus den geistigen Beständen seiner bisherigen Erfahrungen auswählt. Erwartungshypothesen sind deutlich durch kulturell und sozial geprägt. Als Quellen von Erwartungshypothesen über andere Menschen wird die nonverbale Kommunikation benannt: Die Art menschlicher Kommunikation, die sich, ob absichtlich oder nicht, ohne Worte mitteilt: Gesichtsausdruck, Stimmführung, Blickkontakt, Interaktion im Raum (Übergriffe oder Respektierung des personalen Raumes), Gestik, Körperhaltung, Bewegungsabläufe, Gang. Die gewählte Erwartungshypothese entscheidet darüber, was wahrgenommen wird. Die Hypothesenstärke entscheidet, wie sehr die Wahrnehmung durch die Erwartungshypothese bestimmt wird. Prüfung: 1. Stufe: Erwartungshypothese, nach der bestimmte Ereignisse eintreffen sollten; 2. Stufe: Wahrnehmung von Informationen über den Gegenstand der Hypothese; 3. Stufe: Vorgang abgeschlossen, wenn Hypothese bestätigt wurde – oder Neubeginn, wenn Hypothese widerlegt wurde. Auch bei Nichtbestätigung kann die Hypothese beibehalten werden - etwa durch die Feststellung, dass die Situation eine Ausnahme oder untypisch ist. Kernannahmen: 1. Je stärker eine Hypothese ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie aktiviert wird. 2. Je stärker die Hypothese ist, desto geringer ist die Menge der zu ihrer Bestätigung notwendigen Reizinformationen. 3. Je stärker die Hypothese ist, desto größer muss die Menge widersprechender Reizinformationen sein, damit sie widerlegt werden kann.
Quelle:
lern-psychologie.de
Anders formuliert:
1. Bei jedem Wahrnehmungsvorgang werden die durch die Sinnesorgane einlaufenden Informationen a) selektiert also aus der übergroßen Menge der sensorischen Daten ausgewählt; sie werden aber auch b) interpretiert also in dem Zusammenhang vorhandener Daten eingepasst. Grundlage dieser Selektions- und Interpretationsprozesse sind die Erwartungen, die der Wahrnehmende an das Wahrzunehmende hat. Er erkennt Erwartetes eher als Unerwartetes und interpretiert Wahrgenommenes eher im Sinne dessen, was er schon kennt bzw. was er wahrzunehmen erwartet. Diese Wahrnehmungserwartungen werden Wahrnehmungshypothesen genannt. 2. Wahrnehmungshypothesen können verschieden stark sein. Je stärker eine Wahrnehmungshypothese ist, desto eher wird das wahrgenommen, was den Erwartungen entspricht; desto eher wird eine Situation in ihrem Sinn interpretiert. 3. Bei jedem Wahrnehmungsvorgang wird die bestehende Wahrnehmungshypothese bestätigt oder verworfen: entspricht die Wahrnehmung der Erwartung, so wird die Hypothese _gestärkt; entspricht sie den Erwartungen nicht, wird sie verworfen/geschwächt . 4. Je öfter eine Wahrnehmungshypothese bestätigt wird, desto stärker wird sie; je öfter sie verworfen wird, desto schwächer wird sie. 5. Wahrnehmungshypothesen können durch verschiedene Faktoren geprägt werden, z. B. a. Erwartungen b. Motive und Interessen c. Werthaltungen d. Einstellungen und Vorurteile
schematisch dargestellt:
Schema Hypothesentheorie
Aufgabe:Entwickle ein konkretes Beispiel aus dem Schulalltag für die Hypothesentheorie der Wahrnehmung nach Bruner und Postman. Benutze dafür eine Annahme wie "Schüler XY ist faul" oder "Lehrer XY mag mich nicht" und überlege Dir, wie diese Annahmen (Hypothesen) in bestimmten Situationen wirken würden bzw. wie sie den Wahrnehmungsprozess beeinflussen würden. Schreibe dazu Notizen ins OneNote-Kursnotizbuch.
Hausaufgabe
Bitte lies im Kursnotizbuch den Text "Rosenhan Experiment - Die Wirksamkeit von Erwartungshaltungen" und bearbeite die Aufgaben dazu (stichwortartig).
Geschafft!!